Sport : Bayerische Motorenwerke

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Detlef Dresslein vermisst

Stefan Effenberg schon jetzt

Die Erfolgsmaschine läuft an, lassen Sie sich von den schwachen Testspielen des FC Bayern nicht täuschen. Während sich die anderen um bedeutungslose Ligapokale streiten oder zu zweifelhaften Blitzturnieren in den Süden jetten, messen sich die Bayern beim Jubiläumsturnier von Real Madrid ab heute mit den Besten in Europa. Fast alle halten die Bayern ohnehin für den kommenden Deutschen Meister. Und das liegt vor allem an einer Personalie: Michael Ballack. Er ist ein Antreiber der modernsten Sorte - präzise, pflegeleicht und zuverlässig. Der gesamte Betrieb wird in München in dieser Saison reibungsloser verlaufen.

Vorbei scheinen die Zeiten, als man auf Problem bringende Antriebselemente wie Stefan Effenberg angewiesen war. Oder auf den verbrauchsintensiven Mario Basler. Oder den kantig ratternden Carsten Jancker. Das ist vorbei, die Siegmaschine ist generalüberholt, stromlinienförmiger und damit auch ein gutes Stück langweiliger geworden. Denn das gibt es mit einem Anführer Ballack nicht: Dass in einem wichtigen Spiel (zum Beispiel gegen Manchester United) erst mal der gegnerische Star (zum Beispiel David Beckham) an der Mittellinie umgeräumt wird und der Übeltäter dem Gefoulten erstmal richtig die Meinung sagt.

Effenberg machte sowas. Dafür wurde er nicht sonderlich geliebt, und sein Verhalten spielt wohl auch dabei eine Rolle, dass ihn jetzt niemand mehr haben will. Dabei riss er doch seine Kollegen immer wieder aus dem Dämmerschlaf eines ziellosen Kurzpassspiels und schubste sie zum Sieg. Ob das von Ballack auch zu erwarten ist? Eine rhetorische Frage, denn der ehemalige Leverkusener sagt Sätze wie: „Ich kann hier viel lernen und mich weiterentwickeln – und das muss immer das Ziel eines Fußballers sein.“ Effenberg hätte sich da wohl lieber die Zunge (oder den Mittelfinger) abgebissen.

Amüsante Schlagzeilen wird die schnurrende Siegmaschine wohl nicht mehr bringen. Beckenbauers Bettgeschichten mag ja nun auch niemand mehr hören. Vorbei die Zeiten, als Effenberg sich in Garageneinfahrten raufte, Basler desgleichen in Pizzerien. Als Effenberg Arbeitslose abkanzelte und Jancker ehemalige Bundestrainer. In München kommen jetzt sogar die Brasilianer pünktlich zur Arbeit. Mehmet Scholl ist aus der Pubertät raus, und der einzige, der seinen Charakterkopf noch ein wenig gegen die Stromlinie richtet, Oliver Kahn, ist ansonsten auch ein Musterschüler. Der WM-Held musste auf der Saisoneröffnungsfeier jüngst schon ein Leibchen mit der Aufschrift „Rebel“ tragen, um seine neue herausgehobene Funktion zu proklamieren. Gemerkt hat es keiner.

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