Sport : Bayern München: Effenbergs große Freiheit

Für Bayern Münchens früheren Meistertrainer Udo Lattek ist Stefan Effenberg "der einzige echte Chef" einer Bundesliga-Mannschaft. Auch der jetzige Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld bezeichnet seinen Kapitän als "absoluten Leader". Welche Machtposition er sich in seinem dritten Jahr beim Deutschen Meister erarbeitet hat, beschrieb Paul Breitner einmal so: "Stefan Effenberg ist so dominant, wie man das beim FC Bayern seit meiner Zeit nicht mehr haben wollte." Der Weltmeister von 1974 war Anfang der 80er Jahre bei Bayern München der uneingeschränkte Herrscher auf und neben dem Fußballplatz.

Als Regisseur, Wortführer, Erfolgsgarant und Reizfigur hat sich Effenberg ebenfalls eine maximale Machtposition erarbeitet - auch mit Hilfe von oben. "Stefan Effenberg hat eine unheimliche Ausstrahlung und Akzeptanz in der Mannschaft", preist ihn Hitzfeld. Noch weiter ging Manager Uli Hoeneß, der sagte, ohne den Kapitän könne der FC Bayern die Meisterschaft und Champions League nicht gewinnen. Vermutlich hat der Manager sogar Recht: Drei Mal besiegten die Bayern in der letzten Saison Real Madrid. Im einzigen Duell ohne Effenberg verloren die Münchner im Halbfinal-Hinspiel und verspielten so den Titel. Man könne auch ohne Effenberg ein Spiel gewinnen, "aber nicht Spiele", stellte Hitzfeld fest.

Effenberg ist sich seiner Sonderstellung bewusst. Kritiker sprechen von Narrenfreiheit, die er inzwischen genieße. Dass er von den Fans nur respektiert, aber nicht geliebt wird, damit hat er sich abgefunden.

Für die Gespräche über eine vorzeitige Verlängerung seines 2002 auslaufenden Vertrages um ein Jahr ist das Feld optimal bestellt. "So billig, wie sie mich bekommen haben vor einigen Jahren, ist es schwer, neue Spieler zu holen. Schon Durchschnittsspieler kosten heute 15 oder 20 Millionen", sagt Effenberg.

Denn nach dem gescheiterten Einkauf des 20-jährigen Tschechen Tomas Rosicky als Mann für die Zukunft kann Effenberg den Gesprächen mit Hoeneß noch viel entspannter entgegen blicken. "Ich mache keinen Druck", bemerkte der Spitzenverdiener (rund sieben Millionen Mark) gelassen. Die Unterschrift unter den letzten großen Vertrag seiner Karriere wird er sich dennoch fürstlich honorieren lassen. Zehn Millionen Mark Jahresgage müssen keine utopische Zahl sein.

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