Sport : Bayern München - Schalke 04: Fakten besiegen Herzen

Detlef Dresslein

Die Stunde des Siegers sollte genau dreizehn Minuten dauern. Zu Tausenden waren sie nach Süden gereist, die Fans der Schalker, um ihren königsblauen "Meister der Herzen" beim Versuch beizustehen, gegen diesen tomatensaftroten Meister des Faktischen die vor 79 Tagen binnen vier Minuten verrückte Wirklichkeit wieder etwas gerader zu rücken. Und ein mannshohes, rund vierzig Meter breites Transparent hatten sie gebastelt, auf dem geschrieben stand: "Die Stunde des Siegers kommt für jeden irgendwann."

Zum Thema Bundesliga aktuell: Ergebnisse und Tabellen
Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de
Online-Umfrage: Gucken Sie Bundesliga zukünftig lieber auf Premiere? Aber die Bayern, die hatten keine Lust aufs Pathetische, und verkündeten erst auf der Frontseite des Stadionblättchens: "Die Schale bleibt hier", um im Spiel genau jene dreizehn Minuten lockeren Fußballs zu benötigen, die klar machten, warum diese Schale eben dort hingehört, wo sie ist. 3:0 siegten die Münchner am Ende gegen den FC Schalke 04, den Parvenü der vergangenen Saison, der sich am letzten Spieltag vier Minuten lang als Champion wähnen durfte. Diesmal ließen die Bayern keine Fragen mehr offen.

Da war etwa der Sturm, der großartige Einstand des Claudio Pizarro. Ob das denn funktionieren könne, fragte man sich schon an der Säbener Straße. Ein Elber und ein Pizarro, ganz ähnliche Typen, miteinander, nebeneinander. Und wie es funktionierte. Gerade mal sechs Minuten waren im ersten Heimspiel vorüber, da stand er mitten vor dem Tor, dieser Pizarro, hinter ihm geriet Waldoch anfängerhaft ins Straucheln, und der Peruaner hatte keine Mühe mehr, Mehmet Scholls tolle Vorarbeit zum 1:0 zu verwerten. "Er ist immer anspielbar", sagte Bayerns Trainer Ottmar Hitzfeld. Geholfen hatte Giovane Elber, der in den Versuch eines langen Passes des Schalker Verteidigers Nils Oude Kamphuis sprang, worauf der Ball zu Scholl prallte, welcher wiederum zwei Schalker rechts liegen ließ und zum Kollegen Pizarro spielte.

Da war auch das Mittelfeld mit dem besten Mann Mehmet Scholl. Der wurde im ersten Spiel noch geschont, diesmal als einziger möglicher Ersatz von Spielleiter Stefan Effenberg natürlich aufgeboten. Und er entfaltete sich ohne den übermächtigen Blonden an seiner Seite prächtig. Das erste Tor bereitete er durch beherzten wie cleveren Einsatz vor, das zweite schoß er gleich selbst. Ein Freistoß war angesetzt, etwa 18 Meter vom Tor entfernt lief Scholl an und zirkelte den Ball zwar genau auf die Mauer, dessen äußeres Ende aber Andreas Möller hieß, der reichlich Platz machte (13.). Das dritte Tor dann bereitete er wieder vor, mittels Eckstoß auf die Stirn von Niko Kovac, der freistehend aus sechs Metern wenig Mühe hatte zu treffen (40.).

Da war auch die Abwehr, das vermeintlich große Problem des FC Bayern München in dieser Saison. "Ich bin froh, dass wir gewonnen haben", sagte Trainer Hitzfeld hernach, "aber genauso wichtig ist, dass wir eine Abwehrformation gefunden haben, und dass man Vertrauen haben kann in die neuen Spieler." Eine Dreierkette ließ Ottmar Hitzfeld diesmal ran, nachdem die Viererversion in Mönchengladbach wenig überzeugt hatten. Pablo Thiam in der Mitte, Robert Kovac rechts und Thomas Linke auf der anderen Seite. Und diese drei verstanden sich bestens.

0 Kommentare

Neuester Kommentar