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Bayern - Schalke 4:1 : Torreicher Empfang für Neuer

Sollte Manuel Neuer tatsächlich zu den Bayern gehen, weiß er schon einmal, was ihn beim Torschusstraining erwartet. Mit seinem FC Schalke verliert er bei seinem möglichen neuen Klub mit 1:4.

Carsten Eberts
Allein in der Fremde. Manuel Neuer war beim 1:4 in München chancenlos.
Allein in der Fremde. Manuel Neuer war beim 1:4 in München chancenlos.Foto: dpa

Der Empfang für Manuel Neuer in seiner womöglich neuen Wahlheimat fiel einigermaßen freundlich aus. Nur einzelne Bayern-Fans packten ihre alten, leicht vergilbten „Koan Neuer“-Schildchen aus, von einer echten Kampagne gegen den Schalker Torwart, der nach der Saison wohl nach München wechseln dürfte, keine Spur. Vielleicht hatten auch die organisierten Gruppierungen in der Südkurve mittlerweile verstanden, dass die Bayern-Führung den besten Torwart der Welt notfalls auch gegen ihren Widerstand verpflichten würde.

Zur gemäßigten Stimmung trug zweifelsohne bei, dass Neuer an diesem Samstagabend gar nicht in der Lage war, den Bayern den ungefährteden 4:1-Sieg mit einer Weltklasseleistung zu verhageln. Zu desaströs die Leistung seiner Vorderleute, die sich besonders in der ersten Halbzeit mit einer seltsamen Form von Arbeitsverweigerung für das Champions-League-Rückspiel in Manchester zu schonen
gedachten.

Gleich den ersten Schuss von Arjen Robben aus kurzer Distanz musste Neuer chancenlos passieren lassen (6. Minute). Da machte auch nichts, dass Schalke im Gegenzug nach einem Riesenklops von Diego Contento im Fünfmeterraum durch Matip zum glücklichen Ausgleich kam (8.). Nur vier Minuten später staubte Thomas Müller einen missglückten Robben-Freistoß gekonnt zum 2:1 ab (12.) - die Bayern führten wieder.

Die Nachricht von der Blamage des direkten Konkurrenten Hannover 96 gegen Mönchengladbach und den urplötzlich eindeutig verbesserten Chancen, was den ersehnten Tabellenplatz drei angeht, schien die Bayern komplett zu beflügeln. Sie verwalteten die zurückerkämpfte Führung nicht – sondern stürmten weiter. Ein Rechtsschuss des agilen Franck Ribéry verfehlte das Tor noch knapp (16.), eine clevere Kopfballverlängerung von Müller verwertete Chefangreifer Mario Gomez jedoch sicher zu seinem 25. Saisontreffer (18). Vier Tore in nur 18 Minuten – der Unterhaltungswert in der Arena erreichte eine durchaus seltene Dimension.

Das Hochgefühl verleitete dann doch einige Bayern-Fans dazu, Manuel Neuer verbal zu veräppeln. Die Schmähgesänge aus der Südkurve, die den Schalker Torhüter kurzerhand „Schießbude Neuer“ tauften, waren jedoch gänzlich übertrieben: Hätte sich Neuer in der 22. Minute nicht halsbrecherisch einer Doppelchance von Müller entgegen geworfen - das drohende Debakel der Schalker hätte schon zur Halbzeit perfekt sein können. Ganz vorne im Angriff schlug der Spanier Raúl regelmäßig die Hände über dem Kopf zusammen – sein persönlicher Unterhaltungswert hielt sich eher in Grenzen.

Zu einem Schalker Demontage allerschlimmsten Ausmaßes kam es in der zweiten Halbzeit nicht mehr. Die Defensive stellte sich den Bayern-Offensivkräften etwas energischer entgegen, die Bayern drängten auch nicht mehr mit Macht darauf, den Gegner komplett zu blamieren – als hätten auch sie noch ein Champions-League-Spiel, für das es sich zu schonen lohnt. Lediglich Müller schaffte es noch einmal, die Schalker Defensive gewinnbringend auszutanzen – da stand es jedoch sofort 4:1.

Apropros Königsklasse: In der Tabelle schoben sich die Bayern um zwei Punkte an Hannover 96 vorbei – sie haben es fortan selbst in der Hand, ob sie in der kommenden Saison eine international bedeutende Rolle spielen wollen. Und das war die mit Abstand wichtigste Nachricht des Tages.

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