Bayern-Stürmer : Mario Gomez: Der Edelhelfer

Nationalstürmer Mario Gomez profitiert beim FC Bayern München nach Anfangsschwierigkeiten jetzt vor allem von Ivica Olics Erfolgen.

Richard Leipold[Bochum]

Nach dem Abpfiff hielt Mario Gomez eine kleine Laudatio auf seinen kongenialen Fußballpartner Ivica Olic. Was der eine Stürmer des FC Bayern über den anderen sagte, ging über kollegialen Zuspruch weit hinaus. Bewusst oder unbewusst erläuterte Gomez, warum Olic allmählich zur Symbolfigur des aktuellen Münchner Aufschwungs wird. „Manchmal steht er neben mir, und ich denke, der stirbt gleich, aber auf einmal zieht er wieder einen Sprint über vierzig Meter an“, sagte Gomez. „Er ist ein Phänomen.“ Wie die Bayern, die aus der mittleren Tiefe der Tabelle kommend mit Elan nun in Richtung Spitze streben. Nach dem 5:1 in Bochum liegt der deutsche Rekordmeister nur noch zwei Punkte hinter Tabellenführer Leverkusen.

Seit Olic auf dem Rasen wieder Tempo und Kilometer macht, läuft und läuft und läuft der Münchner Motor, der eine Weile gestottert hatte, als Olic wegen einer Verletzung fehlte. Gegen die überforderten Bochumer gefiel der Stürmer nicht nur als Beschleuniger der Bayern-Angriffe, sondern auch als zweimaliger Torschütze. Gomez fällt es schon deshalb leicht, die Antriebsleistung seines Kompagnons zu würdigen, weil sie auch seinen persönlichen Interessen zugute kommt. Seit der Kroate zurück ist, haben die beiden in sechs Partien insgesamt zehn Treffer erzielt. Wie jüngst in der Champions League gegen Juventus Turin war Gomez auch in Bochum unter den Torschützen. Er hat Miroslav Klose verdrängt, mit dem er auch im Nationalteam konkurriert.

Ob er wieder ganz der Alte sei, wisse er nicht, sagte Gomez, „aber wir gewinnen die Spiele, und ich kann dazu beitragen, das ist schöner, als auf der Bank zu sitzen“. Der teure Zugang hat zwar an allen sechzehn Bundesligaspielen teilgenommen, war aber des Öfteren nur eingewechselt worden. Im Radsport wäre Olic vermutlich so etwas wie ein Edelhelfer, ein Profi also, der unabhängig von eigenen Ambitionen schon deshalb unentbehrlich ist, weil er berühmtere Kollegen in Position bringt, wenn es darauf ankommt. Olic scheint sich dort durchzusetzen, wo schon viele an den höchsten Ansprüchen zerbrochen sind.

Als Olic vor dieser Saison aus Hamburg nach München wechselte, wurde er von vielen unterschätzt. Wie sollte er bestehen gegen Gomez, Klose, Toni oder Ribéry und später auch Robben? Olic hat es geschafft, ohne Allüren – vermutlich auch deshalb, weil Temperament und Tordrang bei ihm eine harmonischere Verbindung eingehen als bei anderen Stürmern.

Vereinspräsident Uli Hoeneß sieht sich von den Erfolgen bestätigt. Er habe die Hoffnung auf die Herbstmeisterschaft „nie aufgegeben“. Wenige Tage nach dem Einzug ins Achtelfinale der Champions League ist den Münchnern die Pflicht „überraschend leicht gefallen“, wie Thomas Müller anmerkte. So bemängelte Louis van Gaal am Ende seiner „schönsten Woche“ als Bayern-Trainer nur, dass seine Elf „die Null nicht gehalten hat“.

Das Freistoßtor von Christian Fuchs schmälerte die Freude nicht wesentlich. Sogar Danijel Pranjic schoss sein erstes Bundesligator, alles lief nahezu perfekt – außer für Olic. Der hatte mit seinem Landsmann gewettet: Falls Pranjic in der Hinrunde nicht einen einzigen Treffer erziele, müsse er im Hause Olic den Weihnachtsmann geben. Dieser Pflicht hat Pranjic sich kurz vor Toresschluss entledigt. Olic muss nun für Ersatz sorgen.

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