Sport : Bayrische Problembären

Michael Rosentritt

Es sei aus gegebenem Anlass noch einmal an Bruno erinnert, den Bären aus Bayern. Wäre Bruno ein – nach Definition des Ministerpräsidenten Stoiber – sich normal verhaltener Bär gewesen, er hätte Bayern, ja ganz Deutschland bereichert. Er wäre so etwas wie ein Leuchtturm gewesen inmitten einer vom Klimawandel geprägten Zeit.

Als sich die Spieler des FC Bayern noch normal verhielten, also ihre Leistung brachten, schmückten sie Bayern, ja die ganze Republik. Momentan aber richten sie in der Nationalelf eher Schaden an. Frei nach Stoiber müssten wir von so- genannten Schadbären sprechen, wenn nicht gar von Problembären. Schweinsteiger und Lahm, die gegen die Schweiz die linke Flanke der deutschen Elf bildeten, fielen im Vergleich zu ihren Mitspielern sichtlich ab. Sie schadeten dem Spielfluss und der Kompaktheit, schlicht dem Gesamtwerk. Das Gegentor der Schweizer entstand auf ihrer Rasenseite, Lahm gab noch ungewollt den entscheidenden Pass. Insofern war es ein Glück, dass Lukas Podolski gesperrt war. Der Stürmer des FC Bayern, der in einem Leistungsloch steckt, hätte dem starken Neuling Mario Gomez im Weg gestanden.

Die Spieler des FC Bayern waren einmal der Stolz der Nationalelf. Seit den frühen Siebzigern stellen sie die stärkste Fraktion. Nach der WM ging ihr Einfluss nicht nur zahlenmäßig zurück. Denn in Ballack und Kahn haben die Bayern auch ihre Wortführer in der Nationalelf verloren.

Früher galt die Nationalelf als eine Art Oase. Wenn es im Verein nicht lief, holten sich Spieler Kraft und Vertrauen in der Auswahl. Lahm und Schweinsteiger haben gezeigt, dass es mit einem Trikottausch nicht getan ist. Dafür war der Abstecher zu kurz und dafür sind die Probleme in der Heimat zu groß. Bayern tut momentan niemandem gut, nicht mal sich selbst. Es gibt nur eine Lösung: Bayern mal Bayern sein lassen. Für eine Zeit geht es auch ohne sie. Ganz auf sie verzichten will und kann niemand.

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