Beachvolleyball : Olympiasieger Julius Brink beendet Karriere

Lange hat Julius Brink gezögert – doch nun hat der größte Star der deutschen Beachvolleyballer und Olympiasieger wegen anhaltender gesundheitlicher Probleme seine Karriere beendet.

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Seine letzte Aufgabe: Julius Brink hört auf.
Seine letzte Aufgabe: Julius Brink hört auf.Foto: dpa

Etwas mehr als eine Woche ist es her, dass Julius Brink aufgewühlt in seiner Wohnung im Kölner Stadtteil Braunsfeld saß. Der Beachvolleyballer war allein, die Zwiesprache mit sich selbst gipfelte in den Worten: „Schluss, aus, vorbei – ich werde meine Karriere beenden.“ Lange hatte der 31-Jährige mit diesem Schritt gerungen, der für sein Leben ähnlich einschneidend sein dürfte wie seine sportlichen Triumphe. Am Freitag gab er seine Entscheidung bekannt. Was daran das Schwierigste gewesen sei? „Es für mich laut auszusprechen und damit zu akzeptieren, dass es nicht mehr weitergeht.“

Eigentlich hätte die Reise durch den Sand noch bis zu den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro gehen sollen. Im Mutterland der Strandvolleyballer die Goldmedaille zu verteidigen, die Brink 2012 in London mit seinem kongenialen Partner Jonas Reckermann gewonnen hatte – das wäre die letzte große Herausforderung einer einzigartigen Karriere gewesen. Warum auch nicht, schließlich ist 33 kein Alter, in dem Beachvolleyballer nicht mehr für Spitzenleistungen infrage kommen.

Bei Brink liegen die Dinge jedoch anders: Seit mehr als einem Jahr quält er sich mit hartnäckigen Beschwerden im Hüftbereich, die schmerzhaft auf den rechten Oberschenkel ausstrahlen und Leistungen auf Weltklasseniveau unmöglich machen. Eine Operation, unzählige Besuche bei Ärzten und Physiotherapeuten sowie die zermürbende Achterbahnfahrt aus Fortschritten und Rückschlägen ließen jedoch die Entscheidung reifen, einen Schlussstrich zu ziehen.

Dieser Schritt ist nun getan – und wer Brink kennt, der weiß, dass es kein Zurück gibt. Der begnadete Abwehrspieler hat seine Karriere im Sandkasten seit jeher so gestaltet, dass er seinen Weg ohne Wenn und Aber verfolgt. Diese Konsequenz brachte ihn auf den höchsten Gipfel, machte ihn aber auch zu einem streitbaren Protagonisten, der immer wieder aneckte. Weil er nichts und niemanden schonte.

Julius Brink sprach Klartext - egal ob das jemandem passte

Brink sprach oft Klartext und ob das seinen Gegnern, den Schiedsrichtern, den Funktionären oder den Journalisten passte, war dabei nicht ausschlaggebend. In seinen Worten klingt das so: „Ich muss meinen Prinzipien treu bleiben, Dinge nur zu tun, wenn ich 100 Prozent von ihnen überzeugt bin. 98 Prozent reichen nicht aus.“ Zu dieser Prämisse gab es keine Alternative. Sie bestimmte auch das Karriereende.

Damit ist die erfolgreiche Ära des deutschen Beachvolleyballs endgültig vorbei. Reckermann hatte seine Karriere bereits zu Beginn des Jahres 2013 aufgrund von chronischen Rückenproblemen beenden müssen. Nun folgt ihm Brink. Gemeinsam schrieben sie 2009 Geschichte, als sie im norwegischen Stavanger als erste Europäer überhaupt Weltmeister wurden und dabei die dominierenden Teams aus Brasilien und den USA hinter sich ließen. Drei Jahre später gab es die olympische Krönung auf dem Platz der Horse Guards Parade. Kurz vor Mitternacht fieberten zehn Millionen Deutsche gebannt vor dem Fernseher mit, wie Brink und Reckermann den erfolgsverwöhnten Brasilianern erneut die Rücklichter zeigten.

Es folgten Auszeichnungen wie das silberne Lorbeerblatt, der Bambi und der Felix Award in der Kategorie „Mannschaft des Jahres“. Fünf Titel als Deutscher Meister, drei als Europameister und sechsmal die Wahl zum Beachvolleyballer des Jahres runden Brinks glänzendes Gesamtbild ab. Selbstverständlich ist diese Bilanz nicht. Als Teenager galt Brink zwar als hochveranlagt, aber schwer erziehbar. Seine Ausbrüche auf dem Spielfeld waren berüchtigt. Sie erinnerten fatal an die Eskapaden eines gewissen Boris Becker auf dem Tennisplatz.

Früher schien Julius Brink sich oft selbst im Weg zu stehen

Es verfestigte sich der Eindruck, dieser Athlet stehe sich oft selbst im Weg. Umso erstaunlicher war seine Entwicklung zu einem charismatischen Profi, der seine Karriere mit absoluter Leidenschaft verfolgte und dabei sämtliche Ressourcen ausschöpfte. „Er wird mit Sicherheit nicht als das größte Talent in die Geschichte unseres Sports eingehen“, sagt sein Trainer Markus Dieckmann, „aber ich habe nie einen Athleten erlebt, der sich mehr in ein Ziel verbeißen und zielgerichteter für den Erfolg arbeiten konnte.“

Nun, am Ende seiner Laufbahn, empfindet Brink nicht in erster Linie Trauer, sondern „Demut und Dankbarkeit“. Er wisse nicht, wohin es ihn mit 18 geführt hätte, wäre da nicht dieses Feld gewesen, auf dem er sich so erfolgreich bewegen konnte. Dass er den finalen Schritt in dieser Phase tue, sei auch der Fürsorge gegenüber seinem derzeitigen Mitspieler geschuldet. Offiziell bildet Brink seit dieser Saison mit Armin Dollinger (23) ein Team, doch aufgrund seiner Krankengeschichte bestritt er mit ihm kein einziges Spiel. Er wolle es dem talentierten Blocker ersparen, weiter auf ihn warten zu müssen: „Armin soll seinen olympischen Traum mit einem anderen Partner verwirklichen“, sagt Julius Brink: „Ich habe meinen ja schon gelebt.“

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