Sport : Beckenbauer: Lampe für WM ist grün

Organisations-Chef reagiert auf Blatters Kritik

Robert Ide

Leipzig - Franz Beckenbauer eilt in diesen Tagen von Termin zu Termin. Der Organisationschef der Fußball-WM 2006 hastet in Leipzig zu seiner Limousine, als er auf die Baumängel und Sicherheitsprobleme in deutschen WM-Stadien angesprochen wird. „Bei den deutschen Organisatoren brennt jetzt die rote Lampe“, hatte Joseph S. Blatter, der Präsident des Fußball-Weltverbandes Fifa, angesichts der Fan-Ausschreitungen in Hamburg und der Spielabsage in Kaiserslautern wegen Rissen am Stadiondach gerügt. Ob Beckenbauer sich angesprochen fühle? Er lacht. „Bei mir brennt keine rote Lampe, nicht mal eine gelbe.“ Bevor der Wagen abfährt, ruft Beckenbauer noch: „Bei mir brennen nur grüne Lampen.“

Die jüngsten Pannen in den Bundesliga-Arenen haben die hohen Herren des Welt-Fußballs alarmiert. Am Dienstag musste Horst R. Schmidt, der für die Stadien zuständige Vizepräsident des deutschen Organisationskomitees, den WM-Planern der Fifa erklären, wie es zu den Dachschäden in Kaiserslautern und zuvor in Frankfurt am Main hatte kommen können. „Herr Schmidt hat uns versichert, dass die Deutschen die Probleme unter Kontrolle haben“, sagte Europas Fußballchef Lennart Johansson nach der Sitzung. „Wir vertrauen ihm.“

Nach Mitteilung des 1. FC Kaiserslautern ist das am vergangenen Freitag vorsorglich gesperrte Stadion wieder voll betriebsfähig. Zwei temporäre Stützen halten demnach jetzt das Dach über der Südtribüne. In Nürnberg, wo durch Zuschauer ausgelöste Schwingungen auf den Tribünen die zulässigen Grenzwerte überschritten hatten, soll nun die Stadt als Stadion-Eigentümer mehrere Schwingungsdämpfer einbauen. In Frankfurt am Main wird zudem die Technik des ausfahrbaren Faltdaches, das beim Finale des Confed-Cups an mehreren Stellen dem Regen nicht standhielt, überarbeitet werden. Wolfgang Niersbach, Vizepräsident des deutschen Organisationskomitees, hält die Debatte um den Bauzustand der deutschen Arenen sowieso für übertrieben. „Jeder, der ein Haus baut, weiß, dass es da mal durch ein Fenster ziehen kann oder das Dach nicht ganz dicht ist“, sagte er. „Deshalb sind wir ständig in den Stadien unterwegs und überprüfen alles.“ Eine zusätzliche Kontrolltour im nächsten Jahr, wie von Blatter gefordert, erachten die deutschen Organisatoren übereinstimmend nicht als notwendig.

Auch die Bundesregierung mahnt zur Gelassenheit. „Ein halbes Jahr vor der WM sind alle Stadien so gut wie fertig“, sagt Jürgen Rollmann, WM-Koordinator im Bundes-Innenministerium. Die rote Lampe will er dennoch immer eingeschaltet wissen, um fortlaufend Fehler entdecken und beheben zu können. Rollmann sagt: „Bei mir geht die rote Lampe erst nach dem WM-Finale aus.“

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