Sport : Befreit vom Fluch

Die deutsche Frauenstaffel über 200 Meter Freistil erkämpft mit Bronze die erste Schwimmmedaille

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Auf den letzten 30 Metern war der Lärm unbeschreiblich. Tausende Zuschauer hatten sich von ihren Sitzen erhoben, sie pfiffen, jubelten, schrieen. Und die Schwimmer der deutschen Nationalmannschaft, die auf der Tribüne die Wettbewerbe in dem Pool verfolgten, brüllten sich fast die Kehle aus dem Leib. Denn unten, im Wasser, kämpfte Hannah Stockbauer um die erste Medaille für die deutschen Schwimmer. Die dreimalige Weltmeisterin lieferte sich als Schlussschwimmerin der 4 x 200m-Freistil- Staffel ein packendes Duell mit der Australierin Petria Thomas um Platz drei.

Vorne waren die USA, sie gewannen in Weltrekordzeit (7:53,42 Minuten), dahinter lagen die Chinesinnen, sie schlugen als Zweite an (7:55,97), aber dann wurde es noch ganz eng. Erst Sekunden später leuchtete auf der Anzeigentafel ein Ergebnis auf, das Ralf Beckmann, den Chef-Bundestrainer, dazu brachte, die Faust zu zeigen, während sich unten Franziska van Almsick, Petra Dallmann, Antje Buschschulte in den Armen lagen und Hannah Stockbauer im Wasser feierte. Auf der Tribüne hüpften ihre Teamkollegen vor Freude. Deutschland hatte Bronze (7:57,35), Deutschland hatte seine erste Olympia-Medaille im Schwimmen. Die ganze Spannung löste sich in wildem Jubel.

„Wir haben der ganzen Mannschaft mit dieser Medaille einen Schub gegeben, das ist das Wichtigste", sagte Franziska van Almsick. „Wir wollten allen zeigen, dass wir schnell schwimmen können“, verkündete Antje Buschschulte.

Diese Bronzemedaille war das Werk eines Quartetts, aber innerhalb dieses Teams hatte Antje Buschschulte eine herausragende Stellung. Die 26-Jährige verbesserte mit 1:58,46 Sekunden ihre persönliche Bestzeit um fast zwei Sekunden. Sie wollte sich unbedingt revanchieren für ihre schwache Leistung über 100 m Rücken, als sie Sechste wurde. Buschschulte war als dritte Schwimmerin auf Platz vier ins Wasser gesprungen, und schon nach wenigen Metern lag sie auf Rang zwei. Am Ende konnte sie diesen Rang aber nicht halten.

Franziska van Almsick hatte die Rolle als Startschwimmerin übernommen. „Ich wollte Verantwortung übernehmen“, sagte sie. „Ich wollte für das Team da sein, wie das Team für mich da war.“ Die Weltrekordlerin über diese Strecke hatte bis 100 m in Führung gelegen, doch dann gingen ihr – wie schon im Einzelrennen – die Kräfte aus. Nach 150 m war sie auf Rang drei zurückgefallen, auf dieser Position lag sie auch, als Petra Dallmann ins Wasser sprang. Van Almsick schwamm nur 1:59,61 Minuten. Mit Petra Dallmann sprang danach die schwächste Schwimmerin des Quartetts ins Wasser. Dallmann kam trotz fliegenden Wechsels nicht unter zwei Minuten (2:00,06). Doch dann kam der Auftritt der Antje Buschschulte.

Als Schlussschwimmerin sprang Hannah Stockbauer ins Wasser. Noch eine Frau, die etwas gutzumachen hatte. Die dreimalige Weltmeisterin von 2003 war über 400 m Freistil schon im Vorlauf gescheitert. Und sie erledigte ihre Aufgabe ausgezeichnet. Der Schlussspurt der 21-Jährigen war beeindruckend. Franziska van Almsick kündigte an, dass sie Anne Poleska, die heute im Finale über 200 m Brust steht, den befreienden Staffelkampf noch „mindestens fünf Mal unter die Nase halten wird, damit das für sie ein Anreiz ist, schnell zu schwimmen“.

Andere Nationen freilich waren noch viel schneller. Nicht bloß die US-Staffel sorgte am fünften Olympiatag für einen Weltrekord. Auch die Australierin Jodie Henry stellte mit 53,52 Sekunden im Halbfinale über 100 m Freistil eine neue Weltbestzeit auf. Olympiasieger über 100 m Freistil wurde der Holländer Pieter van den Hoogenband in 48,17 Sekunden.

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