Sport : Behutsame Reintegration

Martin Breutigam

Nach Abpfiff eines Bundesligaspiels stehen oft noch harte Zweikämpfe bevor. Dann nämlich brennen die Mitarbeiter der Fernsehanstalten auf ihren Einsatz. Etwa am Samstag in Bremen, unmittelbar nach Werders 1:0-Sieg gegen den FC Bayern. Premiere, ran oder Sportstudio - wer würde wohl als Erster das Mikrofon unter die Nase der Honoratioren bekommen?

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Grelle Scheinwerfer brachten Licht in den dunklen Kabinengang des Weserstadions. Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge sollten Münchens erste Niederlage nach neun siegreichen Spielen in Folge erklären. Doch verglichen mit dem Einsatz der Fragesteller waren die zentralen Aussagen der Antwortgeber eher dünn: Nicht schlecht gespielt, aber die Torchancen nicht genutzt. Fußball bleibt eben, trotz alledem, ein einfaches Spiel. Und die Wahrheiten bleiben es auch. Bayern Münchens Trainer Ottmar Hitzfeld brachte es in einem scheinbaren Widerspruch auf den Punkt: "Wir hätten ein Unentschieden verdient gehabt, aber Werders Sieg war verdient."

Tatsächlich errechneten Statistikfreunde ein Torschussverhältnis von 20 zu 15 für die Bayern. Hitzfeld vermisste die "letzte Entschlossenheit". Oder fehlte diesmal vielleicht nur das nötige Glück? Oder lag es etwa daran, dass Stefan Effenberg nicht mehr fehlte? Auf letztere Frage reagierte der Trainer an diesem Tag besonders empfindlich. "Es lag gewiss nicht an Stefan, dass wir in Rückstand geraten sind", zischte Hitzfeld. Solch ein Zusammenhang sei völlig abwegig, wenngleich ihn einige womöglich liebend gerne herstellen wollten. "Doch Stefan ist stark genug, dass er damit umzugehen weiß." Auch im Champions-League-Spiel gegen Manchester United am kommenden Dienstag im Münchner Olympiastadion will Hitzfeld seinen 33-jährigen Kapitän von Anfang an einsetzen, wenngleich wohl nicht über die volle Distanz. "Er wird gegen Manchester sicher keine 90 Minuten spielen, das liegt auf der Hand.".

Der Münchner Erfolgstrainer setzt also auf behutsame Reintegration, hält aber unbeirrt an seinem Spielmacher fest. Aus Effenbergs Sicht hätte das Comeback ruhig noch etwas länger ausfallen können. "Ich bin fit. Dass ich nur eine Halbzeit spiele, war mit dem Trainer vorher abgesprochen." Zuletzt hatte der Meister und Champions-League-Gewinner bei Borussia Mönchengladbach verloren, zum Saisonauftakt. Mit Effenberg. Im Weserstadion gab es nun die zweite Niederlage, wieder mit Effenberg. Nur ein unglücklicher Zufall? "Ja, das kann man unglücklich nennen", sagte Effenberg. Er hofft aber auf ein Déjà-vu-Erlebnis. "Im vergangenen Jahr hatten wir nach meiner langen Verletzungspause auch das erste Spiel verloren. Danach sind wir trotzdem noch Meister geworden."

Neben fehlendem Glück und mangelnder Entschlossenheit verwies Ottmar Hitzfeld noch auf einen anderen gewichtigen Grund für das Ende der Münchner Erfolgsserie: "Bremen ist eine gute Mannschaft." Nur der SV Werder konnte die Bayern in diesem Jahr zweimal besiegen. Schon im Frühjahr hatte es in München einen Auswärtssieg gegeben, übrigens mit zwei Toren von Claudio Pizarro. Diesem haben die Bremer Fans den Wechsel von der Weser an die Isar offenbar nicht verziehen. Pizarro wurde bei nahezu jeder Ballberührung gnadenlos ausgepfiffen. Vielleicht auch deswegen, weil er sich vor dem Spiel geringschätzig über die Bremer Abwehrqualitäten geäußert hatte.

Hier irrte der Münchner Peruaner. Denn die Bremer haben sechs der letzten sieben Spiele jeweils "zu null" gewonnen. "Wir haben in der Defensive ein großes Plus, das gibt uns auf unserem Weg nach vorn die Kraft", sagte Werder Trainer Thomas Schaaf, und der sonst so spröde Norddeutsche geriet sogar ein wenig ins Schwärmen. Sein Lob galt vor allem, aber nicht nur, der eingespielten Dreierkette mit Krstajic, Verlaat und Baumann. "Die gesamte Mannschaft verrichtet zurzeit unheimlich gute Defensivarbeit", sagte Schaaf. Insbesondere Torsten Frings, der im Mittelfeld erneut überragte und obendrein den entscheidenden Elfmeter herausholte. Nebenbei hatte er auf Stefan Effenberg aufpassen sollen. "Ich denke, dass ist mir ganz gut gelungen", kommentierte Frings bescheiden seine Leistung. Fußnote: Gestern bekundete Bayer Leverkusens Manager Calmund öffentlich sein Interesse an Frings.

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