Sport : Bei Ballack dauert es länger DFB hat Genesung zu optimistisch beurteilt

Stefan Hermanns

München - Die jüngsten Prognosen, dass Michael Ballack schon bald wieder Fußball spielen kann, scheinen etwas zu optimistisch gewesen zu sein. „Michael macht ein hervorragendes Programm“, sagte gestern Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, der Arzt der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. „Wir haben Anlass zur Hoffnung, dass er in ein paar Wochen zurückkommt.“ In ein paar Wochen? Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff hatte in der vergangenen Woche angekündigt, Ballack werde vermutlich in zehn Tagen das Mannschaftstraining beim FC Chelsea wieder aufnehmen. Von diesen zehn Tagen waren gestern bereits fünf vorüber.

Müller-Wohlfahrt ist in dieser Angelegenheit die weitaus zuverlässigere Quelle: Zweimal hat er Ballacks lädierten Knöchel operiert, zunächst im April, nachdem sich der Nationalspieler die Verletzung, eine Knochenabsplitterung am linken Fuß, zugezogen hatte, und ein weiteres Mal im Juli. Ob es medizinische Versäumnisse gegeben habe, dazu wollte sich Müller-Wohlfahrt nicht äußern.

Auffallend ist, dass die sportliche Leitung der Nationalmannschaft immer sehr viel zuversichtlicher war, als es die medizinische Vernunft eigentlich geboten hätte. Bundestrainer Joachim Löw hatte im September seine Hoffnung ausgesprochen, dass Ballack bereits bei den Länderspielen gegen Irland am vergangenen Wochenende und am Mittwoch gegen Tschechien wieder einsatzfähig sei. Aus solchen Äußerungen sprach wohl, wie jetzt auch bei Bierhoff, mehr Wunsch als Wirklichkeit. Wenn Müller-Wohlfahrts Prognose zutrifft, wird Löw selbst im November gegen Zypern und Wales auf den Kapitän verzichten müssen.

Seit einem halben Jahr hat Ballack nicht mehr gespielt. Nach einer derart langen Pause ist ohnehin nicht damit zu rechnen, dass er nach seiner Rückkehr ins Training gleich wieder das alte Niveau erreicht. Der FC Chelsea kann sich durch die Entwicklung jedenfalls nachträglich bestätigt fühlen. Die Londoner hatten Ballack nicht für die Vorrunde der Champions League gemeldet; in Deutschland, auch bei der Nationalmannschaft, waren daraufhin wilde Spekulationen über eine Demontage angestellt worden. Offensichtlich aber hat Chelsea Ballacks Genesung einfach nur realistischer eingeschätzt. Bis zum Ende des Jahres wird er wohl kaum über die körperliche Fitness verfügen, die in der Champions League notwendig ist. Stefan Hermanns

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