Bei BMW verlängert : Nick Heidfeld darf sitzen bleiben

Ende der Spekulationen: Der Mönchengladbacher Heidfeld fährt auch nächste Saison für BMW-Sauber - Alonso kommt nicht.

Christian Hönicke
Nick Heidfeld dpa
Nick Heidfeld bleibt bei BMW-Sauber. -dpa

Die spektakulärste Neuigkeit ist, dass alles beim Alten bleibt. Nach Ferrari und McLaren-Mercedes bestätigte am Montag das dritte Topteam der Formel 1 sein derzeitiges Fahrer-Duo für die kommende Saison. Nick Heidfeld, Robert Kubica und auch Testpilot Christian Klien werden weiter für BMW-Sauber fahren. „Wir haben in Nick und Robert eine starke Fahrerpaarung und in Christian einen erfahrenen Testpiloten. Wir sind überzeugt, dass wir mit ihnen unsere ambitionierten Ziele auch im vierten Jahr erreichen werden“, ließ BMW-Teamchef Mario Theissen unter der Überschrift „Das BMW Sauber F1 Team setzt auf Kontinuität“ gewohnt pragmatisch mitteilen.

Doch was sich so nüchtern anhört, muss zumindest als teilweise spektakulär gelten: Bis zuletzt hielten sich Gerüchte, einer der beiden Fahrer könnte ab 2009 durch den zweimaligen Weltmeister Fernando Alonso ersetzt werden. Theissen hatte vor kurzem noch verkündet: „Wir sind das einzige Top-Team, bei dem für 2009 noch ein Platz offen ist“ – der Fahrermarkt gebe diesbezüglich „genügend Alternativen“ her.

Und die Gerüchte um einen Platztausch entbehrten durchaus nicht jeder Grundlage. In Kubicas Fall hatten sie vor allem einen monetären Hintergrund. Glaubt man Insidern, verdient der Pole bei BMW derzeit deutlich weniger als andere Top-Fahrer. Angesichts dieser Tatsache erschien sein eher kontroverses Auftreten samt deutlicher öffentlicher Kritik am Team als Strategie, BMW dazu zu ermutigen, die Option auf eine Vertragsverlängerung nicht zu ziehen. Doch da nach McLaren auch Kubicas Wunschteam Ferrari seinem Fahrerpersonal die Treue hielt, blieben dem 23-Jährigen schlicht keine Alternativen mehr.

Deutlich ernster stellte sich die Lage lange für Kubicas Teamkollegen Nick Heidfeld dar. Der Mönchengladbacher war mit großen Ambitionen in die Saison gestartet und kam zwar mehrmals als Zweiter aufs Siegerpodest. Doch weil er große Probleme damit hat, seine Reifen auf Betriebstemperatur zu bringen, ist ihm sein Teamkollege Kubica meist davongerast – in der Qualifikation bei bisher 15 Duellen gleich zwölf mal. Der Pole war es auch, der in Montreal den ersten Sieg für das junge BMW-Sauber- Team einfuhr.

Heidfeld: "Hoffe, nächstes Jahr um den Titel kämpfen zu können"

Um Heidfeld Zeit zu geben, sich aus der Krise herauszuarbeiten, habe man die Entscheidung über die Personalfrage, die eigentlich schon im Sommer geklärt werden sollte, „bewusst nach hinten verschoben“, sagt BMW-Pressesprecher Jörg Kottmeier. Teamchef Theissen sei zeitweise „nicht zufrieden“ mit Heidfelds Ergebnissen gewesen, doch der Trend zeige, „dass Nick das mit den Reifen hinkriegt“. Der derzeitige WM-Fünfte selbst gab sich vor dem Rennen in Japan am Wochenende befreit: „Ich freue mich über das Vertrauen und hoffe, dass wir im nächsten Jahr um den Titel kämpfen können.“

Am Ende aber bleibt die Frage, ob sich BMW für Heidfeld und Kubica entschieden hat oder nicht eher gegen Alonso. Zwar wollte BMW zu Verhandlungen mit dem Renault-Piloten „keinen Kommentar“ abgeben. Nicht ohne Bedeutung dürfte jedoch der finanzielle Aspekt gewesen sein. Für deutlich weniger als die geschätzten 25 Millionen Euro seiner Renault-Gage wird der Spanier wohl kaum an den Start gehen wollen – Heidfeld und Kubica verdienen zusammen weniger als die Hälfte. Wer den Ingenieur Theissen kennt, kann sich gut vorstellen, dass er die Millionen lieber ins Auto steckt.

Vielleicht aber ist alles auch ganz anders und Fernando Alonso hat allen Beteiligten die Entscheidung abgenommen. Nach seinem sensationellen Sieg beim vergangenen Rennen in Singapur hatte der Spanier mit dem tiefen Bedürfnis nach Nestwärme bereits anklingen lassen, dass er seine Zukunft bei seinem Leib- und Magenteam Renault sieht und der spektakuläre Wechsel wohl ausfällt. „Jetzt haben wir noch drei Rennen in diesem Jahr, und dann die nächste Saison, um auf diesen Aufwärtstrend aufzubauen“, hatte er gesagt.

Da sich Alonso nun weiter der Aufbauarbeit bei Renault widmet, ist nun endgültig klar: Auch in der kommenden Saison werden fünf deutsche Fahrer in der Formel 1 sein. Neben Heidfeld werden Sebastian Vettel für Red Bull, Nico Rosberg für Williams, Timo Glock für Toyota und Adrian Sutil für Force India fahren. Aus deutscher Sicht ist das fehlende Spektakel also durchaus ein Gewinn.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben