Sport : Beim 2:3 in Hannover spielen die Eisbären zu einfallslos

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Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Hannover - Der eilige Schritt von Don Jackson ließ wenig Gutes erahnen. Nur wenige Minuten, nachdem eine dröhnende Schlusssirene die 2:3-Niederlage seiner Eisbären Berlin bei den Hannover Scorpions besiegelt hatte, verschwand der Mann mit einem kleinen Täschchen unter dem Arm. Es sah so aus, als wollte der Trainer die nächste Pleite in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) bloß nicht weiter erklären. „Wir müssen härter spielen. Wir hatten hier heute Probleme. Vor uns liegt viel Arbeit“, sagte Jackson kurz und knapp nach einer Partie, die der Hannoveraner Nikolaus Mondt mit seinem Tor in der 45. Minute entschieden hatte.

Es mag hart klingen. Aber Jackson und sein Team hatten ihre Hausaufgaben nur bedingt gemacht. Beim Blick auf das offizielle DEL-Spielformular war leicht zu erkennen, wo der Schwachpunkt der Scorpions steckte. Den Deutschen Meister plagt ein ernstes Torhüterproblem. Travis Scott mochte die Gehaltsreduzierung seines Arbeitgebers nicht akzeptieren und hat den klammen Klub verlassen. Und der frühere Eisbär Youri Ziffzer fällt wegen einer Knieverletzung wochenlang aus. Dass mit dem erst 18 Jahre alte Lukas Steinhauer ein Schüler aus Rosenheim im Tor der Scorpions stand, konnten die Berliner trotz eines positiven Torschuss-Verhältnisses (35:25) nicht ausnutzen. Dabei hatte Tyson Mulock in der 21. Minute bei seinem 1:0 gezeigt, wie es geht. Sein satter Schuss landete genau im Torwinkel.

Die Berliner waren nicht aktiv und passsicher genug, um das Tor ihres Gegners dauerhaft unter Beschuss zu nehmen. Stattdessen ließen sie es zu, dass die Scorpions sie wie schon in der vorigen Saison zeitweise vorführten. Der überragende Adam Mitchell nutzte Unachtsamkeiten in der Berliner Abwehr, um für Hannover im Mitteldrittel das 1:1 und 2:1 (24./30.) zu erzielen. Eisbären-Torhüter Rob Zepp war beim Ausgleich in Unterzahl so unglücklich vom Puck getroffen worden, dass er beim nächsten Gegentreffer noch benommen wirkte und zu zögerlich gegen Mitchell einschritt. Dafür gelang Derrick Walser in der Offensive kurz vor der letzten Drittelpause, ebenfalls mit einem beherzten Schlagschuss, zumindest noch das 2:2 für die Berliner.

Im Oberrang der Arena, wo die rund 500 Anhänger der Eisbären zunächst noch laut gesungen hatten, war es immer stiller geworden. Die Schmähgesänge über einen Gastgeber, der in der Vorsaison zum Meistertitel gestürmt war und jetzt große finanzielle Sorgen hat, verstummten – weil sich Steinhauer bei Großchancen von Jim Sharrow und Sven Felski auszeichnen konnte und weil die Eisbären es versäumten, dem aggressiven Stören der Scorpions etwas Überzeugendes entgegenzusetzen. „Es war phänomenal, was unser junger Torhüter und das ganze Team geleistet haben“, sagte Scorpions-Trainer Toni Krinner. Als glücklicher Sieger blieb er gerne noch ein wenig länger.Christian Otto

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