Sport : Beim Abitur wurde ihm ausgerechnet Sport zum Verhängnis

KLAUS ROCCA

BERLIN .Er ist der Größte.Gemessen an Zentimetern.Auf Michael Preetz, seiner 1,92 Meter wegen der "Lange" gerufen, blickt er noch hinunter.Stattliche 202 Zentimeter mißt Oliver Glöden.Eine ungewöhnliche Körperlänge für einen Fußballer.Zu bestaunen seit einiger Zeit bei Hertha BSC, dem Bundesligisten.Dort ist der Schlaks seit Beginn der Saison Vertragsamateur.Als solcher darf er mit den Profis trainieren."Ein Super-Gefühl", schwärmt er.

Ob er die Höhenluft lange wird schnuppern können, bleibt abzuwarten."Er muß sich vor allem an das hohe Bundesliga-Tempo gewöhnen", gibt Trainer Jürgen Röber die Marschrichtung an.Das hohe Tempo - für einen 2,02-m-Mann natürlich keine Kleinigkeit.Bekennt Glöden: "Am liebsten spiele ich gegen große Spieler, denn die kleinen sind mir zu wendig." Wohl wissend, daß man sich seine Gegenspieler nunmal nicht aussuchen kann.

Eigentlich hatte Glöden ja ein großer Schwimmer werden wollen.Vom fünften bis zum zehnten Lebensjahr gehörte er einem Schwimmverein in Schwedt, seinem Geburtsort, an.Doch nach dem Umzug nach Falkensee war es vorbei mit der Schwimmerei."Ich hätte", erzählt Glöden, "bis nach Potsdam fahren müssen, das war mir aber zu weit."

Fortan versuchte er es mit dem Ball.In Falkensee, nach der Wende beim SC Staaken, beim Spandauer BC und beim Spandauer SV.Als er mit dem SSV ein Freundschaftsspiel gegen Hertha bestritt, fiel er Röber auf.Nicht nur seiner Größe wegen.Kürzlich wurde der Vertrag perfekt gemacht.Nicht für drei Jahre, wie es Hertha wollte, sondern nur für zwei: "Sollte es bei Hertha nicht klappen, würde ich es bei einem anderen Verein versuchen."

Vorerst hofft er natürlich, den Sprung ins Profiteam Herthas zu schaffen.Irgendwann einmal in naher Zukunft.Auch dank seiner Kopfballstärke? "Nein, das Kopfballspiel ist bei mir noch sehr verbesserungsbedürftig", gesteht der 20jährige.Merke: Großgewachsene Spieler müssen nicht kopfballstark sein.

Seinen Kopf zermarterte sich der junge Mann, als er zuletzt an der Spandauer Bertolt-Brecht-Oberschule scheiterte.Beim Abitur wurden ihm Biologie und - Sport zum Verhängnis."Im Leistungsfach Sport kamen Trainingslehre und Doping aufs Tapet - damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet", bekennt Glöden.

Eigentlich wäre damit das Thema Schule abgehakt gewesen.Doch es kam alles ganz anders.Oliver Glödens Schulleiter schrieb an Trainer Röber und machte sich für dessen neuen Anlauf aufs Abitur stark.Röber: "Der Lehrer hat bei mir offene Türen eingerannt.Ich habe schon immer dafür plädiert, die Schule mit dem Abitur oder eine Lehre mit bestandener Prüfung abzuschließen, weil man als Fußballer nie weiß, ob man einschlägt." Also setzte sich Röber mit dem Lehrer telefonisch in Verbindung und vereinbarte mit ihm, daß Oliver Glöden wieder die Schulbank drückt und lediglich nachmittags am Hertha-Training teilnimmt.Und nebenbei auch weiterhin bei den Amateuren kickt.

Beim reduzierten Trainingsprogramm sind die Chancen auf den Sprung ins Profiteam natürlich geringer.Das weiß auch Oliver Glöden, der übrigens seinen Lieblingsverein Werder Bremen als kommenden Deutschen Meister tippt.Doch getreu seinem Lebensmotto "Ohne Fleiß kein Preis" wird der im Sternkreiszeichen Stier Geborene kämpfen.Und dabei sicher nicht das schulische Ziel aus den Augen verlieren.

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