Bereits sieben Punkte Rückstand auf den FC Bayern : Borussia Dortmund sucht sich

Beim Deutschen Meister läuft es nicht mehr so rund wie aus den vergangenen beiden Spielzeiten gewohnt – das zeigt sich beim 3:3 in Frankfurt.

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Dortmund verliert sich im Spektakel. Frankfurts Anderson (l.) köpft zum 3:3 ein.
Dortmund verliert sich im Spektakel. Frankfurts Anderson (l.) köpft zum 3:3 ein.Foto: REUTERS

In der Halbzeitpause befürchtete Heribert Bruchhagen das Allerschlimmste. 0:2 lag die Frankfurter Eintracht nach Toren von Lukas Piszczek und Marco Reus gegen Borussia Dortmund zurück, und nichts hatte nach 45 Minuten auf eine Wende gedeutet. Kein Wunder, dass den Vorstandsvorsitzenden des hessischen Aufsteigers in die Fußball-Bundesliga Nachtgedanken umtrieben. „Ich habe gedacht“, gestand Bruchhagen später, „das hat unsere Mannschaft nicht verdient, heute abgeschlachtet zu werden.“

Zur selben Zeit, da Bruchhagen böse Ahnungen plagten, redete in der Kabine Eintracht-Trainer Armin Veh auf seine 45 Minuten lang mutlos anmutenden Profis ein. Linksverteidiger Bastian Oczipka, einer der schwächsten Frankfurter vor der Pause, gab nach Spielschluss den Inhalt der aufrüttelnden Ansprache so wieder: „Der Trainer hat gesagt: Ihr müsst grundlegend anders spielen, nicht so zaghaft, nicht so passiv. Seid mutiger, geht mehr ran an die Leute. Ihr habt doch Selbstvertrauen nach bisher vier Siegen in dieser Saison!“ Vehs Worte kamen an. Was nach dem Wechsel geschah, verblüffte die Dortmunder Meisterspieler. Binnen zwei Minuten schlug Frankfurt zurück, als Stefan Aigner aus Inuis Vorlage Kapital schlug und Takashi Inui die Flanke Aigners zum Kopfballtor nutzte. Von da an wurde die mit 51 500 Zuschauern ausverkaufte Frankfurter Arena zu einem Kessel der Leidenschaft. So brachte der zur Halbzeit für den am Sprunggelenk verletzten Reus eingewechselte Mario Götze per Außenrist den BVB aufs Neue in Führung, ehe Bamba Anderson mit einem Kopfball das 3:3 in diesem irren Duell erzielte.

Jürgen Klopp, der Trainer der Dortmunder, verkörperte die Emotionen an diesem Frühherbstabend am besten. Kurz vor dem Abpfiff hatte der Fußballlehrer seiner extremen Anspannung Luft verschafft, als er den Vierten Offiziellen nach einem eher harmlosen Foul am BVB-Stürmerstar Lewandowski anherrschte und deswegen auf die Tribüne verwiesen wurde. „Ich habe gesagt, das war ein Foul, das war ein Foul, das war ein Foul. Das scheint zu viel gewesen zu sein.“ So schilderte Klopp den Moment, der von außen eher nach einer Wutattacke aussah. Danach hatte sich Klopp, der vor Jahren in Frankfurt Sportwissenschaften studiert und dabei für die zweite Mannschaft der Eintracht gekickt hatte, schnell wieder im Griff. Er beklagte zwar die defensiven Schwächeanfälle seiner Mannschaft, die der Borussia schon die 2:3-Niederlage beim Hamburger SV, die erste nach 31 Bundesligaspielen, eingebrockt hatten. Er pries aber auch die Art und Weise, wie die Frankfurter zurückgekehrt waren zu ihrem Erfolgsstil aus den vergangenen Wochen. „Das ist die beste Eintracht, die ich je gesehen habe, was das Umschalten von Defensive auf Offensive angeht.“

So ausbalanciert wie ihr Trainer bewerteten nicht alle Borussen den Abend. Sportdirektor Michael Zorc sprach die hausgemachten Defizite schonungslos an. „Wir haben in den letzten zwei Spielen fünf Tore geschossen und dafür nur einen Punkt bekommen“, sagte Zorc. „Wir machen hinten zu viele Fehler und kriegen zu viele Tore.“ An der letzten Konsequenz, den Gegner zu bekämpfen, hapert es momentan beim BVB. Darum fiel der Meister auch gegenüber dem derzeit unangreifbar wirkenden Tabellenführer Bayern München um nun schon sieben Punkte zurück. „Wir müssen die Herangehensweise ändern“, sagte Klopp mit dem Blick auf die kommenden Aufgaben daheim gegen Borussia Mönchengladbach und in der Champions League bei Manchester City.

Die Eintracht dagegen muss sich nur treu bleiben, dann steht einer Fortsetzungsgeschichte ihres wunderbaren Wiederaufstiegs wenig im Weg. Klopp, der zunächst nicht genau wusste, ob er seinem Kollegen Veh auch zu einem Unentschieden gratulieren könne, wurde in diesem Impuls vom Frankfurter Coach bestärkt. „Jürgen“, sagte Veh nach einem Abend für Fußball-Liebhaber, „du kannst mir schon gratulieren, ich bin glücklich über den Punkt.“ Warum? Weil das ganze Spiel ein Glücksfall für die ganze Bundesliga war.

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