Sport : Berlin Capitals: Drei Spieler klagen gegen die Berliner

Claus Vetter

Sein schlimmstes Jahr erlebte das Berliner Eishockey in der Saison 1995/96. 16 Konkursanträge musste der EHC Eisbären damals abwehren. Zwei Jahre später wurde der Klub deutscher Vizemeister. Udo Döhler hat damals bei den Eisbären im Tor gestanden und einiges fürs Leben gelernt. Vor einem Jahr ist er von Ost nach West gewechselt, zu den einst so vermögenden Capitals. Jetzt hat Döhler, inzwischen beim Oberligisten Bayreuth unter Vertrag, gemeinsam mit Mike Pellegrims (jetzt Düsseldorf) und Heinz Ehlers beim Amtsgericht Charlottenburg die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gegen die Capitals beantragt.

"Das ist unser gutes Recht", sagt Döhler. 21 Millionen Mark Schulden sollen die Capitals drücken, der Zahlungsunfähigkeit könnte bald der Konkurs, die endgültige Pleite folgen. Seit Februar haben die Spieler kein Geld gesehen. Sie sind verärgert, dass die Capitals trotz offener Gehaltszahlungen neue Verträge geschlossen haben. Etwa mit dem Krefelder Ilja Worobjew, dem 250 000 Mark netto pro Saison versprochen wurden. Weitere Anträge auf Insolvenz sind laut Döhler unterwegs. Mancher ärgert sich, dass er in diesem Zusammenhang erwähnt wird. Etwa Verteidiger Heinrich Schiffl, der zum Zweitligisten Ingolstadt gewechselt ist. "So ein Quatsch", sagt Schiffl, "ich habe damit nichts zu tun." Egal. Dass die Berliner am Montag auf der Gesellschafterversammlung eine Lizenz für die kommende Saison erhalten, erscheint auch so unwahrscheinlich. Bereits am Sonntag tagt der DEL-Aufsichtsrat. Egon Banghard, Hauptgesellschafter der Capitals, will ein Sanierungskonzept vorstellen. Am Montag müssten die DEL-Gesellschafter den Capitals eine Frist von zwei Wochen zur Nachbesserung gewähren, dies schreibt das Prozedere vor.

Die Hoffnung auf Hilfe vom Ortsrivalen hat sich zerschlagen. Die Anschutz-Gruppe, Eigner der Eisbären, will entgegen ursprünglicher Pläne nicht bei den Capitals einsteigen. Mehr als 20 Prozent an der Capitals GmbH hatte Anschutz ohnehin nie erwerben wollen, und auch das hätten die Gesellschafter der DEL mit einer Zweidrittelmehrheit unterbinden können. "Die Leute von Anschutz haben uns mitgeteilt, dass sie nicht bei den Capitals einsteigen, wenn nur ein Klub dagegen ist", sagt Tripcke. "Die machen sich doch keinen Fleck ins Hemd."

Befleckte Hemden sind rund um die Deutschlandhalle derzeit das kleinste Problem. In den im Frühling bezogenen neuen Büroräumen der Geschäftsstelle, für die - versteht sich - bislang noch keine Miete bezahlt wurde, macht sich Zynismus breit. "Wenn bei der DEL-Tagung nichts passiert", sagt der Sprecher Peter Harbig, "dann hoffe ich, dass man endlich auf uns zugeht und uns mitteilt, dass wir zum Arbeitsamt gehen können."

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