Berlin fliegt und Isfaf : Leichtathletik in der Stadt und im Stadion

Am Wochenende gibt es Leichtathletik vor dem Brandenburger Tor und beim Istaf im Olympiastadion.

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In Peking sprang Raphael Holzdeppe zu WM-Silber.
In Peking sprang Raphael Holzdeppe zu WM-Silber.Foto: AFP

Zwei Wohnsitze hat sich die Leichtathletik ausgesucht, Stadt und Stadion. Im Stadion war sie sowieso schon zuhause, dann kam noch die Stadt als zweiter Lebensmittelpunkt dazu. Im Zentrum will sie neue Aufmerksamkeit finden, auf prominenten Plätzen wie etwa Deutschlands prominentestem vor dem Brandenburger Tor, wenn sich bei „Berlin fliegt“ an diesem Sonnabend Stabhochspringer und Weitspringer aus vier Nationen messen (das ZDF überträgt von 17 bis 18 Uhr). Ein Athlet musste sich jedoch entscheiden: Stadt oder Stadion? Er hat sich für das Stadion entschieden. Raphael Holzdeppe, gerade in Peking WM-Zweiter im Stabhochsprung geworden, wäre gerne wie vor zwei Jahren am Brandenburger Tor geflogen. Noch lieber aber tut er das in einem geschützten Raum der Leichtathletik, beim Istaf am Sonntag im Olympiastadion. An zwei Tagen hintereinander springen, da bekäme ein Stabhochspringer einen Jetlag.

Holzdeppe wird dabei Teil eines besonderen Wettkampfs sein. „Das stärkste Stabhochsprungfeld, das es bisher beim Istaf gegeben hat“, nannte es Meetingdirektor Martin Seeber. Holzdeppe, vor zwei Jahren Weltmeister, bekommt es jedenfalls mit seinem Nachfolger Shawnacy Barber aus Kanada zu tun und außerdem mit Olympiasieger Renaud Lavillenie aus Frankreich. Ob aus dem stärksten Stabhochsprung-Wettbewerb beim Istaf auch der höchste wird, das muss sich zeigen. Sergej Bubka hat die Messlatte vorgelegt, 1994 hatte er 6,05 Meter überquert. Nach ihm kam nur noch Maksim Tarassow über die sechs Meter, 1999 schaffte er 6,01 Meter.

Es geht Holzdeppe jedoch nicht ums Maßnehmen, sondern ums Gewinnen. „Ein Sieg beim Istaf fehlt noch in meiner Vita.“ Von Höhen will der Pfälzer gar nicht erst anfangen. „Das kommt ganz auf die Bedingungen an“, sagt er, und zu den Bedingungen für ihn, aber auch der anderen gehört, dass eine Woche nach der WM in Peking nicht die höchsten Höhenflüge zu erwarten sind.

Die ganz großen Namen fehlen am Sonnabend bei "Berlin fliegt"

Piotr Malachowski scheint dafür schon wieder hellwach zu sein. In Abwesenheit des verletzten Berliners Robert Harting hatte er sich in Peking die Goldmedaille im Diskuswerfen gesichert, jetzt will er beim Istaf auch die weitere Abwesenheit seines Erzrivalen für einen Sieg nutzen. Und das auch noch mit einer entsprechenden Weite. „Ich bin auf die 70 Meter geeicht.“ Am weitesten hat bisher Lars Riedel beim Istaf geworfen, 1996 schaffte er 70,60 Meter.

Malachowski ist einer von fünf aktuellen Weltmeistern, die am Sonntag beim Istaf starten, auch die beiden deutschen Siegerinnen sind dabei, Speerwerferin Katharina Molitor und Kugelstoßerin Christina Schwanitz. Und damit es keine Schlagseite bei den werfenden Athleten gibt, hat das Istaf auch die beiden deutschen WM-Medaillengewinnerinnen im Laufen verpflichtet, Hindernisläuferin Gesa Felicitas Krause und Hürdensprinterin Cindy Roleder.

Das Programm am Sonntag (Stadionöffnung 13 Uhr, erster Wettbewerb ab 13.20 Uhr, Fernsehübertragung im ZDF von 17 Uhr bis 18.45 Uhr) sollen sich 55 000 Menschen im Stadion ansehen, das erwartet Seeber, und noch einmal drei Millionen am Fernseher. Der Drittwohnsitz der Leichtathletik ist das Zuhause ihrer Freunde.

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