Sport : Berlin hat Lust auf Zweite Liga

Gut 1500 Fans kommen zu Herthas Trainingsauftakt

von

Berlin - War da eigentlich was? Es ist kurz vor halb drei, in anderthalb Stunden beginnt das öffentliche Showtraining von Hertha BSC zum Saisonauftakt, da ist die Hanns-Braun-Straße schon an beiden Seiten zugeparkt. An den Zäunen hängen Plakate: „Viel Glück“ steht darauf, je einmal für jeden Neuzugang in dessen Muttersprache. Um vier Uhr dann sitzen knapp 1500 Zuschauer auf der Tribüne des Amateurstadions. Jeder Spieler wird einzeln aufgerufen. Applaus. Die Mannschaft trabt beim Warmmachen an der Traverse vorbei. Applaus. Die Spieler kommen an die Seitenlinie, um sich etwas zu trinken zu holen. Applaus.

War da eigentlich was? Musste Hertha BSC erst aus der Fußball-Bundesliga absteigen, damit die Anhängerschaft von so etwas wie Aufbruchstimmung erfasst wird? Manager Michael Preetz meint festgestellt zu haben, „dass wir einen Schwung haben“. Das grenzt schon an ein kleines Wunder, wenn man bedenkt, wie die Berliner ihre Fans in der vorigen Saison gequält haben: Letzter vom Herbst bis zum Saisonende, 16 Heimspiele ohne Sieg. Und jetzt? „Wir haben die richtigen Zeichen gesetzt“, sagt Preetz. Leistungsträger wie Raffael und Fabian Lustenberger wurden gehalten, Adrian Ramos und Gojko Kacar zum Bleiben gezwungen. Bei Ramos’ Vorstellung mischen sich auch ein paar Pfiffe in den Applaus, aber immerhin: Er ist erschienen, obwohl er lieber in Hoffenheim wäre. Kacar fehlte als Einziger beim Laktattest am Morgen. Der Serbe hat noch WM-Urlaub.

22 Spieler stehen am Nachmittag auf dem Platz, darunter die Neuen Rob Friend, Maikel Aerts, Andre Mijatovic, Marco Sejna und Ronny, der einen ähnlich schlurfenden Gang hat wie sein Bruder Raffael, jedoch eine, sagen wir, etwas kompaktere Statur. „Ich habe das Gefühl, dass die Spieler genug Urlaub hatten“, sagt Trainer Markus Babbel. Knapp sechs Wochen sind es noch bis zum ersten Pflichtspiel gegen Pfullendorf im DFB-Pokal. Eine Woche darauf beginnt mit dem Heimspiel gegen Rot-Weiß Oberhausen die Mission Wiederaufstieg. Der erste Teil des Stadtderbys gegen den 1. FC Union findet am vierten Spieltag in Köpenick statt.

Die neue Lust auf Hertha ist auch oder vor allem dem neuen Trainer zu verdanken, dem es laut Preetz „einfach gelungen ist, die Berliner für sich einzunehmen“ – weil Markus Babbel den Berlinern gegeben hat, was die Berliner haben wollten: Zuversicht. Auch zum Trainingsauftakt wiederholt er das, was er seit seiner Vorstellung immer wieder gesagt hat: Wir schaffen das. „Zum Schluss werden wir oben sein“, sagt Babbel. „Wir sind von keiner Mannschaft abhängig. Es kann nur heißen: Wer landet hinter Hertha BSC?“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben