Sport : Berliner Gummiwand

Alba versucht nach dem starken Play-off-Start die Euphorie zu dämpfen

Helen Ruwald

Berlin - Er rannte vornweg, so als hätte er nie etwas anders gemacht. Bei der Ehrenrunde hängte Oskar Faßler seine Mannschaftskollegen von Alba Berlin ab und ließ sich von 7519 Fans in der Max-Schmeling-Halle feiern. Kurz zuvor hatte er nach einem spektakulären Dunk noch mit einer Hand am Korb gebaumelt. Es war der Schlusspunkt zum 105:65 im ersten Play-off-Viertelfinalspiel gegen die Eisbären Bremerhaven gewesen. Für den 19-jährigen Oskar Faßler war es der vierte Einsatz für Alba in dieser Saison. Sonst spielte er bei Albas Kooperationspartner TuS Lichterfelde, mit dem er vor einigen Wochen in die Regionalliga abstieg. So wie Yannick Evans, 22, der zu seinem ersten Saisonauftritt für Alba kam. „Es war wichtig, dass die jungen Spieler Spielanteile bekommen haben“, sagte Geschäftsführer Marco Baldi. So etwas fördert schließlich Teamgeist und Selbstbewusstsein. An Letzterem mangelte es Oskar Faßler jedenfalls nicht: „Wir wissen, was in uns steckt“, sagt er und meinte das gesamte Team.

Tatsächlich steckte in der Mannschaft mehr, als sich die Berliner selbst je erträumen konnten. Es war der Saisonsieg mit den meisten Körben, der größten Korbdifferenz und den meisten geglückten Dreipunktewürfen (13) – gegen eine Mannschaft, die Alba in der Hauptrunde zweimal nur mit Mühe besiegt hatte. Dazu kamen Dunks von Topscorer Julius Jenkins, der erneut ein überragendes Spiel lieferte, und von Bobby Brown. Zuerst rissen die Spieler die Zuschauer mit, dann schwappte die Euphorie zurück aufs Feld.

„Das war Alba in den Play-offs, wie man es sich wünscht“, sagte Baldi, nachdem die Gastgeber in der Best-of-five-Serie 1:0 in Führung gegangen waren, „wir haben sie nicht nur spielerisch, sondern auch kämpferisch geschlagen.“ Immanuel McElroy biss sich mit einer Bänderdehnung im Sprunggelenk durch. Für Baldi „eine Charakterfrage, ein anderer hätte nicht mehr gespielt“. McElroys Einsatz morgen in Spiel zwei ist aber fraglich.

Der Gegner sei irgendwann „gegen eine Gummiwand gelaufen und danach in seine Einzelteile zerfallen“, meinte Baldi. Bremerhavens Trainer Sarunas Sakalauskas musste zugeben, „dass wir im Kopf nicht bereit waren, gegen das starke und konzentrierte Alba-Team zu bestehen“. Die Spieler entwickelten tatsächlich einen Tunnelblick, ließen keine Minute nach und präsentierten sich pünktlich zu Play-off-Beginn in Top-Form. Das Aus im Pokal-Halbfinale gegen Quakenbrück und die Niederlage im Spiel um Platz drei gegen Bremerhaven vor zwei Wochen hatten in den Profis gearbeitet, ebenso der Rauswurf von Dijon Thompson. Doch gegen Bremerhaven war nicht Verunsicherung zu spüren, sondern Harmonie.

„Es war ein überragender Sieg, aber es war erst das erste Spiel“, sagte Albas Trainer Luka Pavicevic. Das zweite findet morgen in Bremerhaven statt. „Wir haben unseren Job gemacht“, meinte McElroy lapidar, „jetzt ist es wichtig, dass wir uns weiter konzentrieren.“ Kapitän Patrick Femerling hofft, „dass wir einen psychologischen Vorteil haben, aber die Serie ist noch nicht vorbei“. Umfassende Harmonie also bei Alba, selbst bei der Wortwahl.

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