Berliner Handball : Füchse Berlin toben sich aus und verlieren

Die Niederlage war verdient, aber sie tat weh: Die Füchse Berlin unterliegen dem TBV Lemgo in der Handball-Bundesliga mit 26:29.

Hartmut Moheit

Wer die Stars beim TBV Lemgo sind, ist kaum zu übersehen. Übermannsgroß prangen die Fotos von ihnen auf dem Team-Bus, was auch als Warnung an jeden Gegner verstanden werden kann. Auch im Bundesligaspiel bei den Füchsen Berlin waren es wieder Florian Kehrmann, Michael Kraus und Holger Glandorf, die den Unterschied ausmachten. In einem Handball-Kampf vor 7328 Zuschauern in der Schmeling-Halle setzten sie in den entscheidenden Phasen die Akzente und sorgten maßgeblich für den 29:26 (15:13)-Erfolg des Favoriten.

Auch deshalb sprach Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson hinterher von einem „verdienten Sieg“ der Gäste, der ihm allerdings sehr weh tue. Vom Spielverlauf her war seine Aussage zu verstehen, denn die Berliner boten dem TBV zunächst einen Hurrastil an – und hatten anfangs Erfolg damit. Spätestens beim 11:7 durch Konrad Wilczynski kam auf den Rängen so etwas wie euphorische Stimmung auf. Silvio Heinevetter hielt trotz einer blutenden Nase stark, die Deckung war aggressiv und beweglich und im Angriff sorgten Torsten Laen am Kreis und Sebastian Schneider aus dem Rückraum für Treffer. „Da waren wir wirklich stark“, lobte Sigurdsson, während TBV-Kollege Volker Mudrow diese Phase als „Knackpunkt im Spiel“ bezeichnete. Es war die Zeit von Kehrmann.

Er nutzte mit vier Toren die Schwächen der Füchse gnadenlos aus, die etwas übermotiviert plötzlich mit technischen Fehlern und schwachen Würfen den Gegner aufgebaut hatten. Die Füchse hatten sich ausgetobt, Lemgo brachte laut Mudrow „nur die Ruhe bewahren“. Innerhalb von sieben Minuten drehten sie das Ergebnis in eine Zwei-Tore-Halbzeitführung. Lemgo, das zu den Top-Vier der Liga gerechnet wird, erwies sich vor allem im Gegenstoß als effektiver.

Auch nach der Halbzeit, als es beim 17:23 (45. Minute) nach einer herben Niederlage aussah. Aber die Füchse der Saison 2009/10 sind mit denen der letzten Spielzeit nicht mehr zu vergleichen. Sie gaben sich nicht auf, zeigten „gerade da eine kämpferisch starke Leistung“, wie es Sigurdsson empfand, und brachten die Gäste sogar noch einmal in Gefahr. Angetrieben vom manchmal etwas wuselig agierenden Bartlomiej Jaszka, der fünf Tore warf, durften sie beim 24:25 (54.) sogar wieder auf einen Punktgewinn hoffen. Auch noch beim 25:27 (57.), als Rico Göde völlig frei vor dem stark haltenden TBV-Torwart Jesper Larsson auftauchte. Dass Göde diese Chance kläglich ausließ, entsprach seiner enttäuschenden Leistungen zuletzt. Das als Kreisläufer gepriesene Talent, dem viele eine Zukunft in der Nationalmannschaft vorausgesagt hatten, gehört nicht zu den Leistungsträgern der Füchse. Auch noch nicht wieder Michal Kubisztal, von dem jedoch nach einer Bandscheiben-Operation und acht Wochen Pause nicht mehr zu erwarten war. „Wir sind froh, dass er wieder dabei ist“, sagte Sigurdsson zum Polen, der gegen Lemgo aber überfordert war. Sebastian Schneider hatte auf Halblinks die stärkeren Szenen.

Spielentscheidend war das nicht, die Lemgoer Kraus und Glandorf mit ihren „einfachen Toren“ (Sigurdsson) sorgten für das Plus. Aber auch das wussten ja alle vorher, nicht nur diejenigen, die den Bus der Lemgoer gesehen hatten.

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