Berliner Sechstagerennen : "Die Leute sollen tanzen"

Heute beginnt das Berliner Sechstagerennen. Dank eines britischen Investors soll die Traditionsveranstaltung im Velodrom neuen Schwung bekommen.

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Rundfahrt im Oval. Nicht nur die Sportler sollen den Zuschauern im Velodrom den Kopf verdrehen, sondern auch die Show.
Rundfahrt im Oval. Nicht nur die Sportler sollen den Zuschauern im Velodrom den Kopf verdrehen, sondern auch die Show.Foto: dpa/Mehlis

Die Show muss weitergehen, die Show wird weitergehen. Und sie soll noch knalliger werden als bisher. „Die Leute sollen tanzen. Auch während des Rennens“, lautet die Maßgabe des Showmasters. Der heißt Reiner Schnorfeil und ist seit vielen Jahren in verantwortlicher Position des heute beginnenden Sechstagerennens im Berliner Velodrom.

Der Mann ist dieser Tage beschwingt. Das könnte daran liegen, dass er vor wenigen Monaten einen guten Deal gemacht hat. Schnorfeil veräußerte die Rechte als Allein-Gesellschafter am Berliner Sechstagerennen an die britische Madison Sports Group. Die sicherte ihm zu, dass er weiter für die Vermarktung des Events zuständig ist. „Das war ein profitabler Verkauf für mich persönlich“, sagt er geradeheraus.

Vielleicht ist Schnorfeil auch deshalb gut gelaunt, weil bekanntlich keiner so gut auf die Sonnenseite des Lebens blicken kann wie die Briten. „Die Zusammenarbeit mit den Engländern macht mir großen Spaß. Die sind lustig, auch wenn es richtig stressig wird“, sagt er.

Vermutlich muss man das sonnenseitige Leben im Blick haben, engagiert man sich für den Bahnradsport. Der befindet sich seit vielen Jahren in der Krise. Die Sixdays in München, Stuttgart oder Dortmund zum Beispiel gibt es nicht mehr. Es hat sich nicht mehr rentiert. Die vielen Dopingfälle im Radsport seien der Grund für das rückläufige Interesse gewesen, wurde immer behauptet. Mindestens genauso ursächlich dürfte aber gewesen sein, dass an den guten alten Sixdays der Staub alter Tage klebte. Daraus zogen die Rennen zwar ihren Charme. Nur ließ sich damit irgendwann kein Geld mehr verdienen.

Die Berliner Sixdays hielten sich auch dank des gewieften Schnorfeil. Der ist ein Schlitzohr im besten Sinne. Er erzählt zunächst ungeniert von seinen großen Erfolgen als Vermarkter, um dann zu sagen: „Wenn Sie mich kennen würden, wüssten Sie, dass ich eigentlich total uneitel bin.“

Die neuen Eigentümer wollen den Retro-Charakter der Sixdays aufpolieren

Schnorfeil jedenfalls hatte meist einen Plan, wie er Sponsoren und Zuschauer für die Sixdays, die in diesem Jahr zum 105. Mal stattfinden, trotz des Abwärtstrends im Bahnradsport gewinnen konnte. Im vergangenen Jahr aber zeichnete sich ab, dass ein Schnorfeil zu wenig sein könnte, um allgemeinen Trends zu widerstehen. Das Rennen müsste finanziell unterstützt werden, damit man nicht gegen eine Wand fahre, hatte Schnorfeil damals gesagt und den Berliner Senat um Zuschüsse gebeten. Die blieben aus und die Wand war nicht mehr weit weg, bis die Madison Sports Group ihr Angebot unterbreitete.

Die neuen Eigentümer aus England haben viel vor. Erst im Oktober 2015 haben sie nach 35 Jahren wieder ein Sechstagerennen in London durchgeführt. Sie wollen den Retro-Charakter der Sixdays aufpolieren und massenkompatibel machen. Die Rennformate und das Punktesystem sollen perspektivisch vereinfacht werden. Vor allem aber soll die Show besser werden. Das fängt mit einer Bühne im Zentrum der Halle an. Auftritte, Interviews mit den Sportlern oder die Cheerleader sollen von dort die Besucher unterhalten. Schnorfeil ist begeistert von dem Konzept. Er hofft, dass die Engländer eine neue internationale Sixdays-Serie mit Rennen in London, New York, Amsterdam, Singapur und Berlin auf die Beine stellen. „Überregionale Sponsoren könnte man gewinnen“, sagt er, „und natürlich Spitzenfahrer.“

So weit aber ist es noch nicht. Erst einmal müssen die 105. Berliner Sixdays ordentlich über die Bühne gehen. Schnorfeil ist zuversichtlich und sagt, dass das Bewährte sich nicht verändert habe. „Die Bierpreise zum Beispiel“, sagt der gewiefte Vermarkter, „sind im Vergleich zum Vorjahr gleich geblieben.“

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