Sport : Berliner Sport im Blickpunkt: Ohne Papi läuft es besser

Claus Vetter

Notgedrungen sei er Eishockeyspieler geworden, erzählt Benjamin Hinterstocker, Stürmer beim EHC Eisbären, lachend. Vater Martin war Nationalspieler, Onkel Hermann auch. 1976 war der Papa Mitglied der Olympiaauswahl beim Gewinn der Bronzemedaille von Innsbruck, später wurde er Trainer - da hat der Filius nun mal beschränkte Möglichkeiten bei der Berufswahl. Im Kindergartenalter hat Martin Hinterstocker den Sohn bereits aufs Eis geschickt, später hat er ihn häufig selbst trainiert: in Bad Tölz, Innsbruck, Dorfen und im Vorjahr in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) bei den Kassel Huskies, die heute bei den Eisbären gastieren (Beginn 18.30 Uhr, Sportforum Hohenschönhausen).

Martin Hinterstocker war in Kassel Kotrainer, Benjamin half das allerdings nicht weiter. Eine Schulterverletzung zwang ihn in der Vorsaison zu einer dreimonatigen Pause, bei den wenigen Einsätzen unter Trainer Hans Zach konnte er keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Im Regelfall wollen alle jungen deutschen Spieler zu Zach, denn dem eilt der Ruf voraus, sich besonders um den Nachwuchs zu kümmern. Auch Benjamin Hinterstocker hatte die Nähe des Bundestrainers und Vereinstrainers der Huskies gesucht, war vom SC Rießersee mit großen Hoffnungen nach Kassel gekommen. Doch dort wollten sie ihn nach nur einer Saison nicht mehr. Inzwischen kann er es verschmerzen: "Meine Zeit unter Zach war eben ein Lehrjahr. Es ist nicht erstaunlich, dass meine persönliche Statistik da nicht besonders gut ausschaut."

Bei seinem neuen Arbeitgeber sehen die Zahlen für den jungen Stürmer schmeichelhafter aus. In der Plus-Minus-Wertung gehört Hinterstocker zu den besten beim EHC. Fünf Skorerpunkte hat er schon auf seinem Konto, zuletzt gelang ihm beim Berliner Derby sein erstes DEL-Tor. Erklärungen für den persönlichen Aufschwung fallen simpel aus. "Ich habe gut trainiert und gemacht, was der Trainer verlangt." Hinterstockers Übungsleiter in Berlin hieß zunächst Glen Williamson, seit zehn Tagen heißt er Uli Egen.

Ein Wechsel, der sich für die Eisbären bezahlt machen könnte, denn unter Egen lief es bislang ordentlich. Vorgestern konnte der EHC mit einem 4:1 bei den Frankfurt Lions den höchsten Auswärtssieg dieser Saison feiern. Der Freitag kommt den Klub trotzdem teuer zu stehen. Vaic und Harkins sind nach einem von den Lions angezettelten Scharmützel gegen Kassel gesperrt. Zudem ist der Einsatz von Alex Hicks (Zerrung im Adduktorenbereich) gefährdet. Egen hat angesichts der Personalmisere gleich vier Akteure der Eisbären Juniors für die heutige Partie ins Aufgebot geholt.

Auch bei voller Besetzung hätte hinter dem Einsatz von Benjamin Hinterstocker kein Fragezeichen gestanden. Alles andere hätte die Festivitäten im Hause Hinterstocker auch getrübt. Denn heute feiert Benjamin seinen 21. Geburtstag - und das in seiner Geburtsstadt. Ein Berliner, der in feinstem oberbayrisch parliert? Hinterstocker lacht. Nein, er betrachte sich als Garmischer. Die Sache mit der Geburtsstadt ist schnell erklärt: Sein Vater spielte zwischen 1975 und 1982 für den Berliner Schlittschuh-Club, und so kam Benjamin in Berlin zur Welt.

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