Sport : Berliner Sport im Blickpunkt: Reiten für Opernkarten?

Ingo Wolff

Die olympischen Ringe wehen im strammen Wind, der das flache Münsterland kalt durchzieht. Eine Gegend die mit ihren vielen Weiden und Wiesen geradezu geeignet scheint, Tiere zu züchten - vor allem Pferde. Die Ringe haben Nachbarn am Hof des Viehhändlers Ehning aufgehängt. Nachbarn, die den derzeit berühmtesten Einwohner Borkens nach seinem Triumpf in Sydney begrüßen wollten. Springreiter Marcus Ehning ist Olympiasieger mit der deutschen Mannschaft geworden und hatte mit seinen beiden Umläufen großen Anteil daran.

Unterdessen sitzt Marcus Ehning brav im Gartenhaus des elterlichen Hofes, während sein Vater die Gäste unterhält. Das Leben der Familie habe sich gewaltig geändert, seit Marcus die Goldmedaille gewonnen hat. Im Dorf sprechen ihn jetzt Menschen an, die er vorher nicht kannte. Ständig kämen Anfragen von Journalisten und auch von mehr Turnieren, erzählt der Vater. Erst kürzlich sei der Sohn für einen Tag zum Salzburger Turnier gejettet. "Und das nicht nur für zwei Opernkarten", betont Richard Ehning.

Sohn Marcus springt unterdessen auf und holt Kaffee und fehlende Tassen für die Gäste. Zu Hause ist er nicht der Star sondern eines von fünf Kindern. Erst nach einiger Zeit gibt er seine Verschlossenheit auf. Die Augen wandern nicht mehr nur musternd in der Runde umher. Er erzählt von seinem guten Verhältnis zu Ludger Beerbaum, der früher ein richtiger Lehrer für ihn war. Auch heute bekommt er selbst vor einem Stechen noch Tipps von ihm. Wenn es auch Ehning war, der Beerbaums Patzer in Sydney ausgleichen und so die Goldmedaille erst ermöglichen konnte. Auch in der Weltrangliste liegt er mit Rang sechs nur drei Plätze hinter seinem Vorbild. "Dieser Platz sichert mir die Startberechtigung für alle großen Turniere", sagt Ehning.

Marcus Ehning kann auch schlagfertig sein. Auf die Frage, ob er durch die ersten Erfolge seines 18-jährigen Bruders Johannes jetzt mehr und mehr Konkurrenz aus dem eigenen Hause bekommen würde, antwortet er: "Nein, die anderen Reiter wohl eher." Er wirkt dabei mit seinen roten Haaren ein wenig spitzbübisch. Im Münsterland macht man nicht viele Worte. Auch Marcus Ehning ist bodenständig geblieben. Er sitzt selbst am Steuer des Transporters, der seine Pferde zu den Turnieren fährt - auch nach Berlin. Diesmal aber zu zweit, denn der 26-Jährige muss in Dreilinden aussteigen und wird dort von einem Fernsehteam abgeholt. Pferdesport ist auch logistisch eine Herausforderung. Schließlich darf nur wenig Zeit verloren werden. Zeit, die Ehning für die Vorbereitung auf die Springen beim CHI benötigt. Sein Goldpferd For Pleasure ist seit Sydney nicht eingesetzt worden und benötigt Eingewöhnung. Immerhin geht es um Ehnings ersten Weltcuppunkte, um viel Preisgeld und auch um ein Auto. Vier davon hat er schon, ein weiteres wieder zu Geld gemacht.

Geld aus den Turnieren ist nicht seine wichtigste Einnahmequelle, denn 50 Prozent gehen schließlich an den Besitzer des Pferdes. Ein Großteil bezieht er von seinem Sponsor. Mit dem Geld unterhält Ehning zum Teil auch die gemeinsame GmbH mit seinem Vater, bei dem er bis vor zwei Jahren noch eine Groß- und Einzelhandelslehre gemacht hat.

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