Sport : Berliner Statisten

Alba ist international nur ein Mitläufer, weil viele Leistungsträger nicht zeigen, was sie können

Helen Ruwald

Berlin. Vielleicht ist es der Gewöhnungseffekt, der Aufbauspieler Mithat Demirel nach dem letzten Europaligaspiel der Saison zu der Aussage verleitete: „Vor einem Jahr waren die Pfiffe der Fans noch schlimmer“. Damals verpassten die Basketballer von Alba Berlin mit drei Siegen und elf Niederlagen die Zwischenrunde, diesmal war es ein Sieg mehr. Am Mittwoch unterlag Alba dem FC Barcelona zum Abschluss mit 66:80

Der Auftritt gegen das spanische Spitzenteam „hat noch einmal die ganze Saison widergespiegelt“, sagt Demirel. Die erste Halbzeit (26:45) zeigte, dass Alba gegen jede Mannschaft in Europa untergehen kann, die zweite, „dass wir jeden schlagen können, wenn wir gut verteidigen“. Das war in der abgelaufenen Saison noch nicht so. Dennoch wurde Alba nun unter acht Teams der Gruppe A nur Siebter. Die meisten Gegner sind wesentlich finanzkräftiger, doch am fehlenden Etat lag es nicht allein, dass der Deutsche Meister international wieder nur ein Statist war. Bei den knappen Heimniederlagen gegen starke Klubs wie Treviso und Bologna fehlte das Glück, ausgerechnet bei den direkten Konkurrenten Zagreb und Pau-Orthez mangelte es an Selbstbewusstsein und Kampfgeist. Prompt steckte Alba dort klare Niederlagen ein. Der Mannschaft gelang es bis heute nicht, eine Negativserie von acht Niederlagen in neun Spielen, darunter vier in der Bundesliga, zu verarbeiten.

„Das war eine unbefriedigende Europaligasaison, wir haben uns unter Wert verkauft“, kritisierte Präsident Dieter Hauert. Dass Nationalspieler Jörg Lütcke mit Kreuzbandriss früh für den Rest der Spielzeit ausfiel und mit DeJuan Collins, Marko Pesic und nun Quadre Lollis vorübergehend weitere Akteure verletzt passen mussten oder müssen, reicht Hauert nicht als Grund für das Aus: „Ich lasse auch nicht gelten, wenn der Kampfeswille fehlt und viele Freiwürfe danebengeworfen werden.“ Gegen Barcelona waren es 14 von 31. Aber zumindest wehrten sich die Berliner gegen die Niederlage – in diesen Zeiten durchaus ein Fortschritt.

„Ich sehe keinen Leitwolf, wir hatten mal drei, vier Leistungsträger, aber die sind abgetaucht“, sagt Hauert. Das gilt für die Nationalspieler Pesic (3 Punkte gegen Barcelona), Mithat Demirel (1) und Henrik Rödl (0), der mit einer Knieverletzung zur Pause ausschied. Ohne Jovo Stanojevic (30 Punkte/10 Rebounds) hätte Alba ein Debakel erlebt. Um die psychische Blockade bei mehreren Spielern zu lösen, will Hauert den einen oder anderen „fragen, was ihn bedrückt und ob er ein Problem mit der Freundin hat“.

Vielleicht setzt das Aus ja Energie frei für die Bundesliga. 2002, als viele Alba schon abgeschrieben hatten, war der Pokalsieg der Wendepunkt. Als Fünfter ging der Meister in die Play-offs – und verteidigte den Titel.

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