Berlin-Sport : 6297 Zuschauer und ein spätes Tor

Tennis Borussia gleicht in letzter Minute aus und kommt so zu einem 1:1 gegen den 1. FC Union

Matthias Koch

Berlin - Die Oberliga ist in – dank den Fans des 1. FC Union. Gut 4000 Köpenicker Anhänger pilgerten am Sonntagabend ins Mommsenstadion. Das Ortsderby gegen Tennis Borussia zieht halt immer, egal in welcher Spielklasse die beiden Berliner Klubs auch gegeneinander antreten. Wegen des hohen Andrangs und der strengen Sicherheitskontrollen standen zu Spielbeginn etliche Union-Fans noch vor den Stadiontoren. Zusammen mit den Sympathisanten von Tennis Borussia und gut 1000 Jugendlichen, die kostenlos reindurften, füllten 6297 Zuschauer das alte Stadion in Charlottenburg, das in diesen Tagen 75 Jahre alt wird. Das Spiel konnte allerdings kaum die hohen Erwartungen erfüllen. Den 1:1-Endstand verbuchte der Außenseiter Tennis Borussia jedoch als moralischen Erfolg. „Es wäre schlimm gewesen, wenn wir nach zwei Partien mit null Punkten dagestanden hätten“, sagte TeBe-Torwart Timo Hampf. Zum Saisonauftakt hatte seine Mannschaft 1:3 in Ludwigsfelde verloren.

Hampfs Trainer Theo Gries bezeichnete das Remis als „verdient und glücklich zugleich“. Schließlich rettete Routinier Stephan Schmidt den Punkt der Borussen per Flachschuss erst eine Minute vor Schluss. „Dass Union keine Übermannschaft ist, wussten wir vorher. Ich hoffe, dass wir uns in den nächsten Wochen stabilisieren können. Ich persönlich war glücklich, überhaupt auf dem Platz stehen zu können“, sagte Schmidt, der wegen gesundheitlicher Probleme in den Tagen vor der Begegnung Antibiotika schlucken musste.

Und Union? Der selbst ernannte Aufstiegsfavorit schlich sichtlich betroffen vom Rasen. Das Unentschieden ist ein Warnschuss, die Konkurrenz in der Liga kann frohlocken „Leider haben wir es nach unserer 1:0-Führung versäumt, ein zweites Tor nachzulegen. Es ist für uns alle enttäuschend, dass es nicht zum Sieg gereicht hat“, stellte Trainer Frank Lieberam klar. Noch deutlichere Worte fand sein Präsident Dirk Zingler. „Vor dem Sonntag wäre ich mit einem 1:1 zufrieden gewesen“, sagte Zingler. „Jetzt kann ich das nicht mehr sein. Gegen so einen Gegner müssen wir gewinnen.“

Zur tragischen Figur auf Seiten des Regionalligaabsteigers Union avancierte Daniel Schulz. In der 24. Minute gelang ihm nach einem Freistoß von Torsten Mattuschka ein feines Kopfballtor zur Führung. Nach dem Wechsel musste er nach wiederholtem Foulspiel vorzeitig duschen gehen. „Die erste Gelbe Karte war in Ordnung. Die zweite halte ich für überzogen“, urteilte der 19-Jährige über seine Hinausstellung. Den späten Ausgleich der Borussen sah Schulz, als er auf dem Weg zum Spielertunnel im Mommsenstadion war.

Schulz war gestern nicht der einzige unglückliche Spieler beim 1. FC Union. Seine beiden Mitspieler Jörg Schwanke und Daniel Teixeira mussten sogar die gesamten 90 Spielminuten von der Außenlinie verfolge. Schwanke leidet noch an einer Bauchmuskelzerrung. Am kommenden Sonntag im nächsten heißen Derby gegen den BFC Dynamo will der Union-Kapitän wieder dabei sein. Der Einsatz von Torjäger Teixeira scheint dagegen eher ungewiss. Am heutigen Montag wird der Brasilianer untersucht. In einer ersten Diagnose wurde ein Kreuzbandanriss bei Teixeira festgestellt.

Für Union wäre ein längerfristiger Ausfall des Publikumslieblings ein harter Schlag. „Wir reagieren erst, wenn wir den genauen Befund haben“, meinte Lothar Hamann, Sportlicher Leiter der Köpenicker. Daniel Teixeira gab sich kämpferisch. An ein Aufhören denkt der 37 Jahre alte Brasilianer selbst im Falle der Diagnose Kreuzbandriss nicht. „Es ist nur schade, dass es gerade vor den Partien gegen TeBe und den BFC passiert ist“, sagte Teixeira. „Ich war nach sechs Wochen Vorbereitung endlich einhundertprozentig fit.“ Dem 1. FC Union nutzte das beim ersten Derby der Saison nichts. Nach der gestern gezeigten Darbietung scheint es so, als könnten sich die Köpenicker auf die Treure ihrer Fans mehr verlassen als auf ihre eigene Stärke: Ganz so leicht scheint das Unternehmen Aufstieg für den Regionalliga-Absteiger nicht zu werden.

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