Alba : Ein Trainer, viele Fragen

Nach dem Play-off-Aus gegen Quakenbrück: Cheftrainer Henrik Rödl ist keineswegs der Alleinschuldige am Debakel des Basketballklubs Alba Berlin.

Helen Ruwald

Berlin - Für den Dienstagabend hatte Alba Berlin klare Pläne. Die Mannschaft wollte in Quakenbrück im vierten Play-off-Viertelfinalspiel zum 2:2 ausgleichen. Einen gemeinsamen Abend haben Spieler und Trainer gestern tatsächlich verbracht, allerdings nicht auf dem Spielfeld. „Wir wollen einen Abschluss finden“, sagte Trainer Henrik Rödl gestern Mittag. Dann wird sich das Team langsam in alle Himmelsrichtungen zerstreuen, der Favorit ist in der ersten Play-off-Runde mit 0:3 gescheitert. Möglicherweise sprach Rödl, dessen Vertrag bis 2008 läuft, gestern zum letzten Mal als Cheftrainer mit dem gesamten Team. Präsident Dieter Hauert kündigte im RBB auf seiner Urlaubsinsel Ibiza im ersten Ärger an, zur Zukunft von Rödl werde man sich in den kommenden Tagen äußern. Dies hat er inzwischen zurückgenommen, ein Zeitplan existiert nicht. Geschäftsführer Marco Baldi kündigte Konsequenzen an, aber „es ist falsch, nur in eine Richtung zu denken“.

Rödl sprach am Sonntag mit brüchiger Stimme von „einem der bittersten Momente meiner Basketballkarriere“. Er trage die Hauptverantwortung dafür, dass die Mannschaft zu den Play-offs nicht in Topform gewesen sei. Der Trainer kündigte eine „persönliche Analyse“ der Saison an, in der Alba zwar ins Achtelfinale des Uleb-Cups einzog, aber in Pokal und Meisterschaft früh scheiterte. Dabei dürfte es auch um die Zusammenstellung des Kaders gehen. So war Alba auf der Spielmacherposition zu schwach besetzt. William Avery versuchte sich, mit wechselndem Erfolg, seit Jahresbeginn verletzt durchzubeißen. Der junge Nicolai Simon machte zwar starke Spiele, war aber kein adäquater Ersatz und kam in den Play-offs kaum zum Einsatz. Die Spieler, im Titelkampf weitgehend unerprobt, waren dem Druck nicht gewachsen. In den Play-offs konnten sie ihre Stärken in der Verteidigung nicht abrufen – auch eine Sache der Psyche. Baldi sprach von Mutlosigkeit, Rödls Assistenztrainer Calvin Oldham davon, dass „Basketball stark im Kopf gespielt wird. Das erste Spiel war der Schlüssel, das hat Quakenbrück Selbstvertrauen gegeben.“ Die Alba-Verantwortlichen werden analysieren müssen, warum ausgerechnet Rödl, als Spieler unermüdlicher Kämpfer und Antreiber bis zur letzten Sekunde, seinem Team diese Fähigkeiten im entscheidenden Moment nicht mitzugeben vermochte. Für die Zusammensetzung des Teams ist allerdings nicht Rödl allein verantwortlich, sondern ebenso Geschäftsführer Marco Baldi, der mächtige Strippenzieher im Hintergrund.

Zum Hauptrundenende überzeugte Alba zwar nicht, siegte aber zumindest. Doch bis zu den Play-offs ging der Rhythmus völlig verloren. Die Entscheidung, in der Zwischenzeit ins Trainingslager nach Tunesien zu fliegen, verteidigt Rödl jedoch. Das sei wichtig gewesen, um mit vielen angeschlagenen Spielern „zu regenerieren, zu arbeiten und zusammenzusitzen. Die Stimmung war sehr gut.“

Rödl, der 1993 als Spieler zu Alba kam und sieben Meistertitel gewann, ist, vielleicht mit Ausnahme von Demond Greene, die einzige verbliebene Identifikationsfigur. 2004 beendete Rödl nach einer schweren Verletzung seine Karriere, wurde Kotrainer von Emir Mutapcic und übernahm Albas Farmteam TuS Lichterfelde. Im Januar 2005 fand er sich über Nacht und ohne Erfahrung auf dem Cheftrainerposten wieder. Alba war vorzeitig im Uleb-Cup gescheitert, Mutapcic, dessen Vertrag im Vorjahr ausgerechnet während einer Krise verlängert worden war, musste nun doch gehen. Eigentlich sollte Rödl nur Interimstrainer sein, er müsse noch Erfahrung sammeln, sagte Hauert damals. Alles andere „wäre nicht gut für ihn und nicht gut für Alba“.

Doch ein Toptrainer war mitten in der Saison nicht zu finden, zudem zeigten die Spieler unter Rödl zuvor vermissten Kampfgeist. Im Play-off-Halbfinale scheiterte Alba an Frankfurt, doch Rödl blieb im Amt. Ihm wurde ein erfahrener Mann zur Seite gestellt: Calvin Oldham, langjähriger Trainer von Bayer Leverkusen. Die Beiden gewannen 2006 den Pokal, Rödls einziger Titel als Trainer, scheiterten aber im Meisterschafts-Finale an Köln. Widrige Umstände begleiteten Alba: Zuerst verletzte sich Matej Mamic schwer, dann zog sich Jovo Stanojevic im Play-offHalbfinale einen Kreuzbandriss zu. Auch in dieser Saison hatte Alba Verletzungsprobleme, doch niemand wagt, dieses Handicap als alleinigen Grund für das Scheitern anzuführen. Auch Rödl nicht. „Ich stehe zur Verfügung, so lange der Verein mich braucht“, sagt er.

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