Alba : Eine doppelte Niederlage

Alba verliert das Spitzenspiel gegen Quakenbrück – und die Tabellenführung.

Helen Ruwald

Berlin - Siebeneinhalb Minuten waren noch zu spielen, doch viele Fans hatten schon genug gesehen. Als Alba Berlins Trainer Luka Pavicevic eine Auszeit nahm, um irgendwie doch noch die Wende herbeizureden, pfiffen viele der 8861 Zuschauer. Alba lag im Spitzenspiel der Basketball-Bundesliga gegen die Artland Dragons Quakenbrück 57:71 zurück. Verdient, der bisherige Tabellenzweite war klar besser und siegte 76:68 (46:39). Damit übernahmen die Gäste auch die Tabellenführung von Alba Berlin, das die erste Heimniederlage in dieser Bundesligasaison einsteckte. Als beide Teams sich das letzte Mal in der Max-Schmeling-Halle gegenübergestanden hatten, am 27. Mai 2007, war nach dem 71:93 Albas Aus im Play-off-Viertelfinale besiegelt. So weit ist es zwar noch nicht, doch gestern zeigte sich deutlich, dass mit Ausnahme der ersten Minuten nur ein Team meisterschaftstauglich agierte – und das waren nicht die Berliner, obwohl sie Topscorer Julius Jenkins (20 Punkte) in ihren Reihen hatten.

Derzeit geht Alba davon aus, dass das Pokal-Achtelfinale am Mittwoch (19.30 Uhr, Max-Schmeling-Halle) gegen die starken Köln 99ers, die Insolvenzantrag gestellt haben, stattfinden wird. Mit einer Leistung wie gestern droht Alba das vorzeitige Aus. „Ich gratuliere Quakenbrück zu einem exzellenten Auftritt“, sagte Pavicevic, „wir waren nicht gut genug, um sie zu schlagen, das ist die Wahrheit.“ Alba habe die Intensität der ersten Minuten verloren, „wir haben dem Gegner erlaubt, sich gut zu fühlen, dann konnte er die Kontrolle übernehmen“.

Dabei begann das Spitzenspiel für Alba perfekt, zu perfekt vielleicht. 16:4 führten die Berliner nach nicht einmal fünf Minuten. Die Gastgeber wirkten souverän, überzeugten in der Verteidigung. Doch schlagartig war es mit der Berliner Dominanz und der Quakenbrücker Chancenlosigkeit vorbei. Zwischen der 6. und der 17. Minute steckte Alba 30 Punkte ein – und machte selbst nur elf.

27:40 lag die Mannschaft des frustriert an der Seitenlinie brüllenden Trainers Pavicevic zurück. Die Defensive wurde zum großen Problem, in der Offensive sprangen die Bälle serienweise wieder vom Brett zurück statt in den Korb zu fallen. Vor allem aber wirkten die Artland Dragons heißer, feuerten sich gegenseitig mehr an, nachdem sie sich schon vor dem Spiel im Kreis stehend untergehakt und hin- und hergeschaukelt hatten, um sich auf Alba einzuschwören. Doch als sie sich völlig zu blamieren drohten, regte sich bei den Berlinern Widerstand. Mit 12:4 Punkten in Folge kämpften sie sich bis zur Pause auf fünf Zähler heran. Später stand es sogar 49:50 in einem zunächst packenden dritten Viertel mit Dreiern auf beiden Seiten. Doch Quakenbrück war zu abgeklärt und in der Verteidigung zu stark, um sich von Alba wirklich in die Enge treiben zu lassen. Als Julius Jenkins, der 40 Minuten ohne Pause spielte, mit einem Distanzwurf drei Minuten vor dem Ende auf 66:75 verkürzte und dann sogar noch einen Korbleger draufsetzte, kam noch einmal ein bisschen Hoffnung auf. Mehr aber auch nicht. Ausdauer hatten gestern nur die Berliner Fans – beim lang andauernden Pfeifkonzert nach Spielende.

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