Berlin-Sport : Aufbau West

Eishockeyklub FASS übernimmt Teile von Preussen

Ingo Schmidt-Tychsen

Es bedarf dieser Tage etwas Geduld, um Peter Wagenfeldt auf dem Mobiltelefon zu erreichen. Früher war das einfacher. Da hatte der Sportliche Leiter von FASS (Freier Akademischer Sportverein Siegmundshof) längst nicht so viel zu tun mit seinem Eishockeyklub. Früher, da war FASS ein kleiner Viertligist, mit knapp 100 Zuschauern im Durchschnitt und mit dem Ziel, nicht abzusteigen. Das wird sich in der kommenden Saison mit großer Wahrscheinlichkeit ändern. „Wir wollen in die Aufstiegsrunde“, sagt Wagenfeldt. „Die Euphorie im Klub ist riesig.“

Auslöser dafür sind vor allem die prominenten Spieler, die den Kader verstärken: Marco Rentzsch und Stefan Leciejewski wechseln vom zuletzt drittklassigen Schlittschuh-Club Preussen zu FASS, der ehemalige DEL-Spieler Nicolai Tittus kommt von den Blue Lions Leipzig. „Wir wollten alle drei zusammen in Berlin spielen“, sagt Ex-Nationalspieler Rentzsch. „Wo sollten wir denn sonst hin?“

Weil die geplante Kooperation zwischen den Eisbären Juniors und dem Schlittschuh-Club schon bei der Namensfindung gescheitert ist, gegen die Schlittschuh-Club GmbH ein Insolvenzverfahren eingeleitet wurde und die drei nicht nach Hohenschönhausen zu den Eisbären Juniors wechseln wollten, blieben nur noch zwei Alternativen. Der ECC Berlin und FASS – beide Mannschaften spielen in der Regionalliga. „FASS hatte das bessere Konzept“, sagt Rentzsch. Auf ein finanzielles Angebot hat sich der 39-Jährige dabei nicht bezogen. Mit Eishockey in unteren Ligen sei ohnehin kein Geld mehr zu verdienen, sagt Rentzsch. „Wir kriegen einen Fahrtkostenzuschuss.“ Auch der ehemalige Nationalspieler Andreas Dimbat wechselt zu FASS – der 30-Jährige wollte unbedingt mit seinem Bruder Dennis zusammenspielen.

Der sportliche Leiter von FASS will neben den Spielern Rentzsch und Leciejewski noch einiges mehr vom Schlittschuh-Club Preussen übernehmen: Fans und Sponsoren. Eine Art Schlüsselfigur, die beides miteinander verbindet, konnte Wagenfeldt bereits von seiner Sache überzeugen. Karl-Heinz Grießbach ist Eigentümer des Charlottenburger Restaurants Luisen-Bräu. In der vergangenen Saison sponserte er den Schlittschuh-Club mit hohen Geldbeträgen, in diesem Jahr will er FASS unterstützen. Eishockey-Fantreffen finden häufig in seinem Lokal statt. So auch das von FASS vor ein paar Tagen. Viele Fans des Schlittschuh-Clubs Preussen waren da, die meisten seien aber noch skeptisch gewesen.

Am ersten Spieltag der Regionalliga am 17. September kommt es gleich zum Lokalderby zwischen dem ECC und FASS im Erika-Heß-Stadion. „Da rechne ich mit 1000 Zuschauern“, sagt Grießbach. „Es werden viele Unentschlossene dabei sein, die dann entscheiden, zu welchem der beiden Vereine sie halten wollen.“

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