Berliner AK : "Die große Euphorie haben wir noch nicht entfacht"

Der ehemalige Union-Profi Jens Härtel ist Trainer beim drittstärksten Berliner Klub, dem BAK 07. Im Interview spricht er über die sportlichen Ziele im Übergangsjahr der Regionalliga und die Zukunftsaussichten des Klubs aus dem Poststadion.

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Auf unserer Berlin-Sport-Seite werfen wir regelmäßig einen Blick auf den Berliner Fußball.
Auf unserer Berlin-Sport-Seite werfen wir regelmäßig einen Blick auf den Berliner Fußball.Foto: promo

Herr Härtel, Sie sind seit diesem Sommer Trainer beim Regionalliga-Aufsteiger Berliner AK. Wie ist ihr erster Eindruck von der Regionalliga?

Es ist eine interessante Liga mit interessantem Fußball. Es gibt zwar klare Kräfteverhältnisse, aber trotzdem kann jeder jeden schlagen. Ich hoffe dass wir uns demnächst anpassen und dann auch die ersten Punkte einfahren können.

Durch die bevorstehende Strukturreform der Regionalligen, gibt es in diesem Jahr keinen Absteiger, und auch nur einen Aufstiegsplatz. Ist es ein Vorteil, dass das sportliche Abschneiden im Grunde keine Rolle spielt, oder hat es auch Nachteile?

Für uns als Aufsteiger ist es sicherlich nicht von Nachteil, weil man immer eine Weile braucht, um sich zu akklimatisieren. Mit einem neuen Trainer und vielen neuen Spielern ist es ganz gut,  nicht von Anfang an punkten zu müssen. Trotzdem denke ich, dass alle Mannschaften ehrgeizig genug sind, jedes Spiel auch mit voller Motivation anzugehen. Der Druck, den wir uns selbst als Mannschaft machen, ist oft viel größer als der von außen.

Was sind in einem solchen Übergangsjahr die sportlichen Ziele?

Wir wollen einfach so viele Punkte wie möglich holen. In den ersten vier Spielen war auch schon was möglich, es hat nur hier und da noch ein Tick gefehlt.

Sie haben derzeit noch einige Verletzte, es stehen aber auch namhafte Kicker wie der Ex-Unioner Björn Brunnemann in Ihren Reihen. Was ist mit der Mannschaft möglich?

Gute und höherklassig erfahrene Fußballer haben eigentlich alle Mannschaften in unserer Liga. Für Björn Brunnemann ist es auch eine große Umstellung. Bei Union hat er ja nur selten durchgespielt, jetzt ist er hier Führungsspieler. Das ist eine neue Rolle, an die er sich erstmal anpassen muss. Aber er hat schon gezeigt, dass er in dieser Liga ein Klassespieler ist, und auch sonst ist mit der Truppe mehr drin, als es bisher den Anschein hatte.

Als Außenstehender hat man den Eindruck, dass der Verein BAK 07 gerade dabei ist, sich neu zu definieren. Nicht zuletzt durch die Rück-Umbenennung von Berlin Ankaraspor zu Berliner Athletik Klub und viele deutsche Neuzugänge. Wurde Ihnen dieser Wandel auch vorab in den Gesprächen vermittelt oder ging es dort nur um sportliche Aspekte?

Man hat immer auch das Gesamtbild im Blick. Es war von Anfang an klar: Das ist kein türkischer sondern ein Berliner Verein, mit allem, was Berlin mit seiner Multikulturalität zu bieten hat. Ich denke, wir geben mit unserer Mannschaft und als Verein ein ganz gutes Spiegelbild dieser Stadt ab.

Wie ist der Zuschauerzuspruch?

Die große Euphorie haben wir noch nicht entfacht. Das liegt aber auch daran, dass Gegner wie die zweite Mannschaft vom Hamburger SV einfach nicht viele Fans anlocken. Mit dem sportlichen Erfolg hängt es natürlich auch zusammen, wenn wir erstmal Punkte holen, kommen vielleicht auch mehr Zuschauer. Mittelfristig wären wir froh, einen Stamm von über 1000 eigenen Zuschauern zu erreichen. Das Stadion dafür haben wir.

Der Klub galt jahrelang als Skandalnudel, jetzt macht man in erster Linie sportliche Schlagzeilen und es scheint Ruhe und Seriosität eingekehrt zu sein. Können Sie diesen Eindruck bestätigen?

Es wird hier schon darauf geachtet, dass man finanziell im Rahmen der Möglichkeiten bleibt. Seit Ali Han Präsident ist, gab es an dieser Front keine Baustelle. Jedenfalls hab ich noch keine negativen Nachrichten von Spielern gehört, dass der Verein Gehälter nicht pünktlich zahlen oder Versprechen nicht halten würde. Auch die, die schon länger hier sind, scheinen in dieser Beziehung sehr zufrieden zu sein.

Wie sind die Bedingungen für Ihre Arbeit als Trainer?

Für Berliner Verhältnisse sind die Bedingungen gut. Wir können uns natürlich nicht vergleichen mit meinen früheren Klubs Babelsberg oder Union, wo die Infrastruktur vorhanden ist, weil alles über Jahrzehnte gewachsen ist. Aber alles, was ich zum Trainingsalltag brauche, habe ich hier. 

Der BAK ist derzeit die drittbeste Mannschaft aus Berlin hinter Hertha BSC und dem 1. FC Union. Wo soll es mittelfristig hingehen?

Erstmal ein paar Punkte holen, das wäre schon ein Anfang. Ansonsten muss sich alles über Jahre hinweg Schritt für Schritt entwickeln. Es gibt in jedem Verein ein paar Leute die träumen, man muss aber realistisch bleiben. Wenn man zum Beispiel Chemnitz sieht, wie viel die investieren mussten, oder auch RB Leipzig, die noch viel mehr ausgegeben und den Aufstieg trotzdem verpasst haben. Um in die dritte Liga zu kommen braucht man schon einen langen Atem. Wir sind noch lange nicht in der Lage da oben anzuklopfen, das ist Fakt. Wenn  man erstmal ein paar Jahre Regionalliga gespielt hat, sieht man vielleicht, an welchen Stellen man etwas tun kann um den nächsten Schritt zu anzupeilen, aber das ist Zukunftsmusik.

Das Interview führte Axel Gustke

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