Berlin-Sport : Der nüchterne Meister

Die Wasserballer von Spandau 04 wollen in der nächsten Saison mit Spielern aus der eigenen Jugend die Vorrunde der Euroleague überstehen

Ingo Schmidt-Tychsen

Kurz vor der nächsten Runde Bier stimmte er zu. „Ich bleibe!“, rief Nationalspieler Jens Pohlmann. Der Samstagabend näherte sich seinem Ende, die Spandauer Meisterparty ihrem Höhepunkt, und Hagen Stamm atmete auf. „Es ist sehr wichtig für uns, dass Pohlmann bleibt“, sagte der Präsident der Wasserfreunde Spandau 04. „Er stand kurz vor einem Wechsel ins Ausland.“

Die Wasserfreunde zelebrierten den Gewinn der deutschen Meisterschaft, der 26. seit 1979, danach noch ausgiebiger. Ein Großteil der Mannschaft, die in diesem Jahr den Pokal und die Meisterschaft gewann, wird auch in der kommenden Saison für Spandau spielen. „Wir haben für die nächste Saison vier vakante Positionen“, sagte Stamm. Der größte Verlust ist der des spanischen Nationalspielers Gabriel Hernandez. Der 30-Jährige feierte die Nacht von Samstag auf Sonntag einfach durch und setzte sich anschließend in das Flugzeug in seine Heimatstadt Barcelona. Obwohl Hernandez zu den Großverdienern in Spandau gehörte, werden durch seinen Abgang nur bedingt neue Kapazitäten im Etat frei. Der Spanier war größtenteils über Sponsoren finanziert worden.

Es ist eher unwahrscheinlich, dass die Wasserfreunde zur kommenden Saison einen ähnlich renommierten Star verpflichten werden. „Wir müssten schon wieder so einen Verrückten finden, der für weniger Geld spielt, als er in anderen europäischen Ligen verdient, weil er am Ende seiner Karriere noch einmal etwas Besonderes machen will“, sagt Präsident Hagen Stamm. So wird der Kader wohl größtenteils mit Spielern aus der eigenen Jugend aufgefüllt. Ein großer Leistungsabfall ist dadurch nicht zu erwarten: Die Jugend A der Spandauer ist in dieser Saison deutscher Meister geworden, die Jugend B deutscher Pokalsieger. „Dem zweiten Herz in meiner Brust gefällt es sehr gut, dass junge deutsche Spieler so hochklassig eingesetzt werden“, sagt Stamm. Schließlich ist er nicht nur Präsident in Spandau, sondern nebenbei auch noch deutscher Nationaltrainer.

Die Analyse der nun abgelaufenen Saison fällt trotz zweier Titel nüchtern aus: „In der Euroleague haben wir deutlich unter unseren Möglichkeiten gespielt“, sagt Stamm. Dort waren die Spandauer in der Vorrunde als Tabellenletzter gescheitert. Die Ziele für die nächste Saison werden unterschiedlich formuliert: „Das Final Four in der Euroleague wollen wir erreichen“, sagt Torwart Alexander Tschigir. Hagen Stamm ist etwas vorsichtiger geworden: „Das Viertelfinale ist unser Ziel.“ Ansonsten sind sich die beiden aber einig: „Deutscher Meister und Pokalsieger zu werden – das ist unsere Pflicht.“

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