Eishockey : Den Anfang verschlafen

Die Eisbären verlieren im zweiten Halbfinalspiel 3:4 gegen die DEG, weil sie im ersten Drittel pausieren.

Claus Vetter[Düsseldorf]
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Enges Duell. Eisbären-Verteidiger Andy Roach (links) bedrängt Jeff Panzer von der Düsseldorfer EG. -Foto: Citypress

Der Freitag in Düsseldorf begann nicht freundlich für die Profis des EHC Eisbären. Am Morgen, um 10.45 Uhr, wollte Don Jackson mit seiner Mannschaft im alten Düsseldorfer Eisstadion an der Brehmstraße trainieren – und stand vor verschlossenen Türen. Erst um 11 Uhr durften die Berliner in die alte Halle der Düsseldorfer EG. Ein kleines Ärgernis, verglichen mit dem was die Eisbären später in der neuen Halle der DEG erlebten. Der Tag endete nämlich richtig unfreundlich für die Berliner, mit einer bitteren 3:4 (0:2, 2:1, 1:1)-Niederlage im Dome von Düsseldorf-Rath. Obwohl die Berliner einen 0:3-Rückstand egalisiert hatten, verloren sie in der vorletzten Minute durch ein Tor des Düsseldorfers Robert Dietrich. Somit steht es in der im Modus „Best of five“ ausgespielten Halbfinalserie um die deutsche Eishockey-Meisterschaft zwischen Eisbären und Düsseldorf 1:1.

Dass die Mannschaft von Jackson nach dem souveränen 4:1-Sieg vom Dienstag gestern in Düsseldorf dem Finale nicht näher kam, lag vor allem an einem völlig verschlafenen Auftritt im ersten Drittel. Erst nach elf Spielminuten kamen die Eisbären zu ihrem ersten zaghaften Torschuss, ansonsten war noch ihr Trainer Jackson der agilste Vertreter. Er lief hektisch auf und ab, schleuderte im Frust eine Wasserflasche zu Boden.

Es lief eben lange wenig zusammen bei den Berlinern. Jacksons Spieler begannen das Spiel zu passiv und waren zu unbeholfen: Das Düsseldorfer Tor zum 1:0 erzielte Patrick Reimer aus unmöglichem Winkel, von hinten prallte der Puck am Ellenbogen von Berlins Torwart Rob Zepp und fand von dort den Weg ins Tor. Den zweiten Gegentreffer leiteten die Berliner dann mit einem an Tore Vikingstad verschuldeten Penalty ein: Rob Collins trickste den Puck ins Tor von Zepp.

Immerhin waren die Eisbären danach „richtig sauer“, wie ihr Verteidiger Frank Hördler in der ersten Drittelpause sagte. „Es muss sich etwas ändern.“ Zunächst aber änderte sich nichts, gleich anfangs des Mittelabschnitts konnten zwei Düsseldorfer allein auf Zepp zufahren, Jamie Wright erzielte im Zusammenspiel mit Collins das 3:0 für die DEG. Nun war die Stimmung unter den 10 688 Zuschauern in der Arena von Rath eines Play-off- Spiels würdig, es hielt nur noch wenige auf ihren dunkelroten Polstersesseln.

Doch die Düsseldorfer Fans feierten zu früh, die Eisbären waren noch nicht geschlagen, ihr lange behäbiges Überzahlspiel gewann plötzlich an Dynamik und war erfolgreich. Zunächst dank des Düsseldorfers Korbinian Holzer, der einen Pass von Mark Beaufait ins eigene Tor beförderte. 16 Sekunden vor der zweiten Pause gelang den Berlinern das 2:3 durch Denis Pederson. Da seine Mannschaft ja im ersten Drittel pausiert habe, müsste sie genug Kraft für das letzte Drittel haben, fand Berlins Kotrainer Jeff Tomlinson. So sah es aus, der Endspurt der Eisbären wurde elf Minuten vor Schluss belohnt – durch das 3:3 von Stefan Ustorf. Doch das reichte den Berlinern nicht zur Wende: 99 Sekunden vor Ablauf der 60 Minuten hämmerte Robert Dietrich den Puck bei Düsseldorfer Überzahl ins Berliner Tor – Pederson sah den Treffer von der Strafbank.

Trotz ordentlicher Leistung ab dem zweiten Drittel kassierten die Eisbären somit ihre erste Niederlage in der Play-off- Serie gegen die Düsseldorfer, die nun in jedem Fall bis kommenden Dienstag weitergeht: Dann wird eine Mannschaft beim Spiel in Düsseldorf schon einen Matchball haben – der Sieger vom Spiel am Sonntag in Berlin. Dass dies unbedingt die Eisbären sein werden, erscheint nach dem gestrigen Spiel nicht so sicher.

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