Berlin-Sport : Familiäre Show

Wie der American-Football-Klub Berlin Adler abseits von Berlin Thunder um Anerkennung kämpft

Sophie Goetze

Seit Sonntag widmet sich der Cheftrainer der Berlin Adler einer neuen, etwas ungewöhnlichen Aufgabe: In der Fernsehshow „Kämpf um deine Frau“ hilft der US-Amerikaner Kent Anderson als persönlicher Motivationstrainer verlassenen Ehemännern dabei, ihre Frauen zurückzugewinnen. Sieht so etwa der Beginn einer großen Fernsehkarriere aus? Glaubt man den Verantwortlichen der Adler, so handelt es sich eher um eine medienwirksame Werbeidee, um die hierzulande nicht so populäre Sportart American Football ins Blickfeld der Öffentlichkeit zu rücken. „Das ist die beste Gelegenheit, die wir haben, den Sport bekannter zu machen“, erklärt der Adler-Sprecher Lutz Koch den Nebenjob des Cheftrainers.

Werbemaßnahmen wie diese sollen jedenfalls dazu führen, dass sich die Zuschauerzahlen bei den Heimspielen der Berlin Adler erhöhen. Am Samstag, als die Berliner das Play-off-Viertelfinale gegen die Stuttgart Scorpions mit 42:17 für sich entschieden, fanden lediglich 1100 Zuschauer den Weg ins Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion – obwohl es ja immerhin um den Einzug ins Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft, den German Bowl, ging. Stadionsprecher, Cheerleader und ein Einpeitscher mit Megaphon sorgten für Stimmung, die trotz aller Bemühungen doch eher familiär blieb. Zum selbstgebackenen Kuchen gab es nach jedem Touchdown der Berliner die La Ola, die allerdings nicht durch das ganze Stadion brauste, sondern nur auf den beiden besetzten Tribünen hin- und herschwappte. „Für eine große Show und flächendeckende Werbemaßnahmen fehlt dem Verein das nötige Geld“, sagt Gitta Friedrich, Vizepräsidentin der Adler. Dass der andere große American-Football-Klub, Berlin Thunder, den Adlern, die immerhin schon seit 25 Jahren bestehen und zu den Gründungsmitgliedern der Bundesliga gehören, den Rang abgelaufen hat, glaubt Friedrich nicht. „Die Vereine kann man doch gar nicht miteinander vergleichen.“

Während die Adler in der German Football League, der früheren Bundesliga, spielen, gehört Thunder seit 1999 der NFL Europe an, ein Ableger der nordamerikanischen NFL. Das heißt nicht nur, dass sich der Mannschaftskader von Thunder vor allem aus Spielern aus dem Ausland zusammensetzt, während die Adler großen Wert auf die Nachwuchsförderung legen, sondern auch, dass dem Verein wegen der Verbindung zur amerikanischen Liga ganz andere finanzielle Mittel zur Verfügung stehen. „Bei Thunder sind Millionen im Spiel“, sagt Friedrich. Von solchen Beträgen können die Adler nur träumen. Bei den Heimspielen von Thunder im Olympiastadion kommen über 10000 Besucher. Das sind Zuschauerzahlen, die Lutz Koch schon ein bisschen neidisch werden lassen.

Vielleicht findet ja das Halbfinale, das am 25. September ausgetragen wird, eine größere Resonanz beim Publikum, jetzt, da man sich erhofft, dass der Name der Adler im Zusammenhang mit den Fernsehauftritten des Cheftrainers das eine oder andere Mal genannt wird. Sorgen darum, dass sich Kent Anderson vom Fernsehen abwerben lassen und den Beruf wechseln könnte, muss sich Vizepräsidentin Friedrich allerdings nicht machen. „Wir haben Kent für die gesamte Saison 2005 bereits fest unter Vertrag.“

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