Berlin-Sport : Feiern und feuern

Der 1. FC Union verlässt die Fußball-Oberliga als Meister – doch nicht für alle Berliner Klubs war die Saison ein Erfolg, es gab ungewöhnlich viele Trainerwechsel

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Gestern endete die Saison in der Oberliga Nordost, Gruppe Nord. Aus Berliner Sicht war erfreulich, dass es keinen Absteiger aber dafür mit dem 1. FC Union einen Aufsteiger gab. Ein Rückblick:

Die Kartons waren schnell auspackt. „Meister“ stand in großen Buchstaben auf den weißen T-Shirts, die sich die Spieler des 1. FC Union nach ihrem 3:0-Sieg gegen die TSG Neustrelitz überstreiften. Und dann begann in der Wuhlheide die ausgelassene Feier mit den Fans. Der Präsident war rundum zufrieden. „Wir haben alle unsere Ziele erreicht. Wir wollten Meister werden und aufsteigen. Das wurde realisiert“, sagte Dirk Zingler. Auch die Enttäuschung über Georgi Wassilew hielt sich in Grenzen. Der Bulgare, der die Oberliga wohl nicht ernst genug nahm, musste den Trainerposten nach wenigen Wochen genauso abgeben wie der fleißige, aber glücklose Vorgänger Frank Lieberam zu Weihnachten. Erst nachdem Anfang April Christian Schreier vom MSV Neuruppin abgeworben werden konnte, setzte Unions Siegesserie ein. Die Rückkehr in die Regionalliga wurde Union jedoch erleichtert. Dank der „Osthilfe“ des DFB durften die Meister der beiden NOFV-Oberligen erstmals direkt aufsteigen. Herbstmeister Neuruppin beantragte zudem aus finanziellen Gründen keine Lizenz für die Regionalliga. Fast 6000 Fans kamen im Durchschnitt zu den Heimspielen von Union. Geld für namhafte Zugänge scheint dem Klub aber zu fehlen. Trainer Schreier sagt zur neuen Saison: „Für uns zählt nur der Klassenerhalt.“ mko

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Das Telefongespräch war für Peter Antony ungewöhnlich. Denn ein wichtiger Punkt fehlte. „Der hat gar nicht danach gefragt, wie viel Geld er bekommt“, wunderte sich der Vorsitzende von Tennis Borussia , als er Dejan Raickovic Anfang November 2005 dazu überredet hatte, dem Klub aus der Patsche zu helfen. Unter Trainer Theo Gries war TeBe unverhofft, aber akut in Abstiegsgefahr geraten, der ehemalige Profi Raickovic sollte die Mannschaft wieder auf Kurs bringen. Der Trainerwechsel half. Von den folgenden 19 Spielen unter Raickovics Führung gewannen die Borussen 13. Und stießen aus den Tiefen der Tabelle noch auf Platz fünf vor. Bei TeBe hatte man sich zwischenzeitlich sogar schon geärgert, dass der Klub keinen Antrag für eine Regionalliga-Lizenz gestellt hatte. Was nicht war, soll noch kommen. Antony sagt: „In der nächsten Saison gibt es für uns nur eins: den Aufstieg.“ Der Kader bleibt zusammen, wird punktuell verstärkt. Und Raickovic, gewöhnlich ein wortkarger Mann, behauptet schon jetzt steif und fest: „Wir haben die beste Mannschaft in der Oberliga.“ Das 2:6 zum Abschluss bei Yesilyurt wird dann wohl nur ein kleiner Betriebsunfall gewesen sein. kad

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Beim BFC Dynamo dürfte man an die Spielzeit 2005/06 mit gemischten Gefühlen zurückdenken. Der sechste Platz entspricht zwar in etwa dem, was finanziell möglich war. In der Öffentlichkeit bestätigten jedoch Teile der Fans das negative Image des Vereins. Der von Präsident Mario Weinkauf angestrebte Demokratisierungsprozess kam durch Ausschreitungen beim Spiel gegen den Erzrivalen 1. FC Union am 13. Mai gewaltig ins Stocken. „Das hat unsere Arbeit in den letzten beiden Jahren befleckt“, sagt Weinkauf. Das NOFV-Sportgericht hat wegen starker Sicherheitsbedenken das Sportforum für die Oberligaspiele gesperrt. mko

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Der SV Yesilyurt kam in der für den Klub enttäuschenden Serie nicht ohne Trainerwechsel aus. Herman Andreev wurde im Herbst von Volkan Uluc abgelöst. Der ist mit dem Klassenerhalt zufrieden. „Wir haben im Winter einen Schnitt gemacht und mit einem kleineren Kader in zehn von 15 Spielen der Rückrunde gepunktet.“ Trotz des Ligaverbleibs wird Uluc seine Arbeit nicht fortsetzen: „Es gab einige Unregelmäßigkeiten im Verein. Die kann man einige Monate ertragen. Nicht aber über eine ganze Saison.“ mko

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„Die beiden 4:0-Siege zum Saisonabschluss gegen Yesilyurt und in Ludwigsfelde versöhnten für eine insgesamt chaotische Saison“, sagt Rainer Hornberger, Präsident des BAK 07 . Drei Trainerwechsel leistete sich der Klub. Noch immer fehlt ein Hauptsponsor für die neue Saison. Zudem habe der vermeintliche Wettskandal in der Oberliga die Bemühungen des Vereins, sein Image aufzupolieren, konterkariert. Hornberger sagt: „Angesichts der hohen und erfolgreichen Wetteinsätze auf einige unserer Spiele bin ich mir sicher, dass etwas gelaufen ist. Beweise gibt es bislang jedoch nicht.“ mko

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Klassenerhalt war das Ziel beim BFC Preussen und das hat der Aufsteiger trotz bescheidender finanzieller Möglichkeiten erreicht. Mit anderen Problemen hatte Türkiye mspor zu kämpfen: Der Klub hatte diese Saison keinen festen Trainingsplatz und wurde trotzdem Siebter. mko

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