Berlin-Sport : Kartenspieler in Kreuzberg

Nach drei Platzverweisen verliert Tennis Borussia in der Fußball-Oberliga 0:3 bei Türkiyemspor

Karsten Doneck

Tennis Borussia drängte und drückte. Und endlich, kurz vor der Pause, fiel ein Tor. Jens Eckl hatte den Ball über die Linie gebracht. Dem Treffer haftete allerdings ein grundlegender Makel an. Eckl hatte im Stile eines Volleyballers dem Ball mit den Händen den entscheidenden Dreh gegeben. Schiedsrichter Markus Häcker aus Pentz erkannte das Tor nicht an und ahndete Eckls Flucht in eine andere Sportart mit der Gelben Karte, „Ein blödes Handspiel“, murrte TeBe-Trainer Theo Gries später. Denn von da an ging es mit seiner Mannschaft im Spiel der Fußball-Oberliga bei Türkiyemspor rapide bergab. Am Ende kassierten die Borussen vor 372 Zuschauern im Stadion an der Kreuzberger Katzbachstraße eine empfindliche 0:3 (0:0)-Packung und sind nun tief in den Abstiegskampf verstrickt.

Mit Eckls Handspiel fing alles Elend für TeBe an. 120 Sekunden, nachdem er Gelb gesehen hatte, schritt der 27-Jährige an der Mittellinie ziemlich unrühmlich, weil viel zu rustikal, gegen Türkiyems Ahmet Öztürk ein. Das Foul brachte ihm erneut die Gelbe Karte ein – und damit Gelb-Rot. Platzverweis Nummer eins folgte nach einer guten Stunde Platzverweis Nummer zwei: Stephan Schmidt kopierte Eckl in umgekehrter Reihenfolge, aber in fast identischem Zeitfenster. Der Manschaftskapitän war zwei Minuten zuvor schon für ein Foul verwarnt worden, als er sich auch noch ein absichtliches Handspiel leistete. Wieder zückte Referee Häcker Gelb-Rot.

Türkiyemspor schien das Farbenspiel auf der gegnerischen Seite eher zu irritieren als zu beflügeln. Doch als dann auch noch TeBe-Torwart Timo Hampf in seinem Strafraum Deniz Aydogdu unsanft stoppte, dafür gleich die Rote Karte erhielt und Türkiyemspor zudem ein Foulelfmeter zugesprochen wurde, passierte das, was überfällig war. Gegen den eingewechselten neuen TeBe-Torwart Bruno Ulbricht, 19 Jahre jung, verwandelte Ergün Pinarbasi den Strafstoß zur 1:0-Führung für die bis dahin völlig ideenlos kickenden Kreuzberger.

Gegen sieben TeBe-Feldspieler baute Türkiyemspor das Ergebnis durch Aydogdu und Sonar in der Schlussphase noch aus. „Meine Mannschaft ist ruhiger geworden, sie hat gelernt, auf die Knackpunkte eines Spiels zu warten“, urteilte Türkiyems Trainer Thomas Herbst. Manchmal müssen eben auch mal drei Knackpunkte in einem Spiel herhalten, um seine Elf auf Touren zu bringen.

TeBe-Trainer Theo Gries fehlten nach dem Abpfiff fast die Worte. „Was die Leistung des Schiedsrichters in der zweiten Halbzeit angeht, dazu fällt mir nichts mehr ein“, schimpfte Gries. Aber auch wenn die TeBe-Fans auf den Rängen gegen den Schiedsrichter wüteten: Jede einzelne Karte gegen die Borussen hatte ihre Berechtigung, wenngleich die Partie nie wirklich ins Rüpelhafte ausartete.

TeBe sieht sich nun unter Druck. Die Abstiegsgefahr wächst. Die derzeitige Erfolglosigkeit wird zumindest Theo Gries nicht angelastet. „Unser Trainer erreicht die Mannschaft, ganz klar“, sagt Ronny Maschke, der Sportliche Leiter. „Erst wenn das nicht so wäre, müssten wir uns Gedanken machen.“ Im Winter soll Verstärkung geholt werden. „Wir haben schon mit drei, vier interessanten Spielern Gespräche geführt, mit denen wir dann auch in der Saison 2006/07 weiterarbeiten können“, sagt Maschke.

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