Berlin-Sport : Mit China siegen

Song Ah Sim verstärkt den Tischtennisklub 3B

Jörg Petrasch

Kaum ist Song Ah Sim in Deutschland, bekommt sie ein Job-Angebot für die nächsten Jahrzehnte. „Sie kann ja Managerin bei 3B Berlin werden“, sagt Rainer Lotsch, der beim Tischtennis-Europapokalsieger die Geschäfte führt. Die 23-Jährige kichert. Sie will zwar nach ihrer Karriere in Hongkong Wirtschaft studieren, aber Lotsch hat sie nach Berlin gelotst, um 3B Spiele dauerhaft zu verstärken.

Mit der Verpflichtung der Hongkong-Chinesin ist 3B der größte Coup dieser Saison gelungen. Die Weltmeisterschaftszweite mit dem Team und aktuelle Nummer 23 der Weltrangliste ist die derzeit bestplatzierte Spielerin der Bundesliga – und die erste aus Hongkong. Zusammen mit der gebürtigen Chinesin Bao Di, die vom Ligakonkurrenten TV Busenbach wechselte, soll Song Ah Sim Ruta Budiene sowie Christina Fischer ersetzen, die den Verein verlassen haben. Dazu kommt als weiterer Neuzugang Rudi Stumper. Er übernimmt mit der Russin Irina Palina fortan das Training. Der Vorteil: Bao Di ist mit Stumper verheiratet, besitzt somit einen deutschen Pass, und kann für Song Ah Sim übersetzen.

Probleme könnte Song Ah Sim allenfalls die neue Umgebung bereiten. Von Europa kennt die Rechtshänderin bisher nur die Sporthallen. Aber Ortswechsel sind für sie nicht neu. Mit 15 Jahren verließ sie ihre chinesische Heimat und zog nach Hongkong zu Verwandten – nicht wegen Tischtennis, wie Song versichert. In der ehemaligen britischen Kolonie entwickelte sich die Angriffsspielern dann entscheidend weiter. „Ich habe viele internationale Turniere gespielt“, erklärt Song. In China hätte sie es viel schwerer gehabt, überhaupt außerhalb Chinas spielen zu dürfen.

Um ihren Hals baumelt ein Glücksbringer: eine Kette mit einem chinesischen Schriftzeichen. „Es bedeutet Liebe“, sagt Song und kichert wieder. Sie hat es in Athen gekauft, dort kam sie bei den Olympischen Spielen ins Viertelfinale im Doppel. Das ist ihr nicht genug. Ihr großes Ziel sind die Spiele 2008 in Peking. Der Wechsel nach Europa kann sie weiter bringen, persönlich und spielerisch.

Bereits das Training scheint bei 3B bisher anders zu sein als in Hongkong. „Wir fangen etwas später an, dafür spielen wir länger“, sagt Song Ah Sim. Von Berlin hat sie noch nicht viel gesehen, außer dem Potsdamer Platz beim Eis essen. Bald werden noch Räume der Volkshochschule dazukommen: Deutsch lernen ist Pflicht bei 3B. Helfen kann ihr dabei neben Bao Di auch die Chinesin Ran Li, die seit drei Jahren für 3B spielt. Das Problem ist allerdings, dass immer nur eine Nicht-EU-Ausländerin pro Spiel eingesetzt werden darf. So werden sich die beiden abwechseln. Das bietet zwar größere taktische Varianten, halbiert aber den Wert des Neuzugangs. Beim Auftaktspiel zur neuen Saison vor acht Tagen in Tostedt wurde Ran Li eingesetzt, Song Ah Sim spielte zwei Turniere in China. 3B gewann mit 6:3. Bisher geht die Taktik auf.

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