Berlin-Sport : Nach Berlin des Spaßes wegen

Steffen Fetzner war Weltmeister im Tischtennis – jetzt spielt er für Tennis Borussia in der Regionalliga

Karsten Doneck

Eine Mannschaft zu verstärken kann mitunter stressig sein. Manchmal gar gesundheitsgefährdend. Willi Arlt weiß das. Da diente sich dem Teamchef des Tischtennis-Regionalligisten Tennis Borussia für die Saison 2004/05 Steffen Fetzner als möglicher Neuzugang an – aber erst kurz vor Transferschluss. Fetzner, der Weltmeister von 1989 im Doppel – dieser Mann in Liga drei? Da lohnt sich jede Anstrengung, dachte Arlt und legte los. In Windeseile wurden Telefonate geführt, per Fax Schriftstücke hin- und hergeschickt. Zwei Stunden vor Meldeschluss war der Transfer perfekt. Arlt atmete auf. „Das hat Nerven gekostet“, sagte er. Und das war durchaus wörtlich zu verstehen. Willi Arlt ging danach zum Arzt. Diagnose: Gürtelrose, eine Nervenkrankheit.

Auch Steffen Fetzner hatte einige Mühe, seine Berlin-Pläne zu realisieren. Der 36-Jährige lenkte als Teamcoach beim Bundesligisten TTC Grenzau die Geschicke. Er wollte, ehe er in letzter Minute mit TeBe eine neue Vereinbarung traf, unbedingt noch Grenzaus Präsidenten informieren. Der machte aber gerade eine Fahrradtour ohne Handy. Erreicht hat er ihn dann doch irgendwie. Einwände gegen den Wechsel nach Berlin bestanden nicht. „Ich will noch etwas Spaß haben“, begründet Fetzner seine Entscheidung.

Zuletzt im Spitzenspiel der Regionalliga gegen 3 B Berlin war der Spaß freilich getrübt. Fetzner verlor seine beiden Einzel – und TeBe die Partie mit 7:9. Im Spitzenduell hatte Fetzner gegen Li Lin mit 2:3 und 12:14 im letzten Satz das Nachsehen. Er reagierte fassungslos: „Den Chinesen muss ich einfach schlagen.“

Dass Fetzner überhaupt in Liga drei aufschlägt, ist auf eine Freundschaft mit Thomas Friese zurückzuführen. Der Immobilienkaufmann, mit im Vorstand des Basketball-Bundesligisten Alba Berlin, hatte einst mit Super Donic Berlin ehrgeizige Ziele – damals mit Spielern wie Fetzner und Jörgen Persson. Als nach ersten Erfolgen das Geld ausging, verschwand der Klub von der Bildfläche. Geblieben ist der Kontakt zwischen Friese und Fetzner. Friese trat bei Fetzners Hochzeit als Trauzeuge auf und lotste ihn jetzt zu TeBe.

Den Etat von Tennis Borussia, zwischen 10 000 und 20 000 Euro angesiedelt, belastet die namhafte Neuverpflichtung nicht sonderlich. TeBe zahlt Anreise und Hotelübernachtung, mehr nicht. Zunächst sollte Fetzner nur fünf Spiele in der Regionalliga bestreiten, mittlerweile hat man sich auf acht Einsätze verständigt. Danach endet sein Engagement bei TeBe wieder. Oder nicht? „Es ist sehr davon abhängig, ob es Fetzner in der Mannschaft gefällt“, sagt Willi Arlt. „Das ist für ihn wichtiger als das Geld.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar