Berlin-Sport : Olympia vor Victoria

Sanierung des Charlottenburger Tores beginnt – der Sponsor plant Plakate zu den Spielen in Athen

Cay Dobberke

An der Straße des 17. Juni beginnt jetzt die Sanierung des Charlottenburger Tores – und die Großplakatwerbung des Sponsors Samsung. Zwischen den zwei Teilen des Denkmals, die beiderseits der Straße nahe dem Salzufer in Charlottenburg stehen, montieren Arbeiter derzeit eine Trägerkonstruktion für die Reklame über der Fahrbahn. Auch an den eigentlichen Baugerüsten werden Werbeposter befestigt. Gegen Ende der Woche will der südkoreanische Elektronikkonzern die ersten Motive anbringen. „Es wird um die Olympischen Spiele gehen, schließlich ist Samsung ein Hauptsponsor des IOC“, sagte gestern Martin Kang von der hauseigenen Werbeagentur des Konzerns. Später sollen Riesenposter folgen, die Teile des verhüllten Tores abbilden.

30 Monate sind für die Sanierungsarbeiten angesetzt. Federführend ist die Stiftung Denkmalschutz Berlin, die Verträge mit dem Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf und dem Sponsor geschlossen hat. Samsung zahle einen „siebenstelligen Betrag“, heißt es. Die Stiftung hatte zuvor schon das Brandenburger Tor sanieren lassen. Auch dort durfte der Sponsor – in diesem Fall die Telekom – Großplakate anbringen.

Das Charlottenburger Tor war 1908 als Eingangsportal zur Stadt und Gegenstück zum Brandenburger Tor entstanden. Die je etwa 20 Meter breiten und zehn Meter hohen Teile bestehen aus Sandstein und Eifeltuff, die Sockel sind aus Granit. Der Verfall war im Frühjahr 2003 deutlich geworden: Weil Steinstücke herunterzustürzen drohten, sperrte der Bezirk vorsichtshalber die Gehwege ab. Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) startete später ein Interessensbekundungsverfahren, um Geldgeber zu finden. Zehn Werbefirmen bewarben sich, doch aus Sicht des Bezirks mangelte es an der „finanziellen Sicherheit“. Deshalb ist die Initiative der Denkmalstiftung für den Stadtrat die beste Lösung.

Der Geschäftsführer der Stiftung und ehemalige Landeskonservator Helmut Engel will nicht nur Schäden ausbessern, sondern auch mit Niederdruckstrahlern die alte Struktur des Gesteins wieder sichtbar machen. Das Denkmal werde „hell, sauber und freundlich“ wirken, verspricht er.

Die 30 Monate seien ein „realistischer“ Zeitplan, der sich allein an baulichen Gesichtspunkten orientiere, sagte Wolfgang Daus vom Hochbauamt des Bezirks. Die Werbung des Sponsors habe also keinen Einfluss auf die Dauer der Arbeiten. 2005 will das Bezirksamt zusätzlich mit einer Fahrbahnsanierung auf der Straße des 17. Juni beginnen. Während der Fußball-WM 2006 müssen diese Arbeiten allerdings unterbrochen werden, da die Straße zur Protokollstrecke gehört.

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