Sabine Lisicki : "Da helfen nur noch Ohrenstöpsel"

Sabine Lisicki spricht im Tagesspiegel-Interview über mentale Stärke, den Weg zur Nummer eins und den Grund für das Stöhnen beim Aufschlag.

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Sabine Lisicki, 22, hat in ihrer Karriere bisher drei WTA-Turniere gewonnen. In Wimbledon erreichte sie im vergangenen Jahr das Halbfinale im Einzel und das Finale im Doppel. Am Sonntag bestreitet sie um 15 Uhr ein Match gegen Julia Görges in der Havellandhalle, Alte Dorfstraße 32, in Seeburg (bei Spandau). Der Eintritt ist frei.
Sabine Lisicki, 22, hat in ihrer Karriere bisher drei WTA-Turniere gewonnen. In Wimbledon erreichte sie im vergangenen Jahr das...Foto: dpa

Frau Lisicki, Sie spielen am Sonntag einen Showkampf gegen Julia Görges in der Havellandhalle. Hatten Sie gar nicht damit gerechnet, ins Finale der Australian Open zu kommen?

Das war von vorneherein so geplant. Wenn ich ins Finale gekommen wäre, wäre das Showmatch auf den Abend verlegt worden oder auf Montag. Natürlich will ich bei jedem Turnier, bei dem ich antrete, auch gewinnen. Aber jetzt spielen Julia und ich eben unser Finale am Sonntag.

Es fehlte nicht viel, und Sie hätten Maria Scharapowa im Achtelfinale besiegt. Was brauchen Sie noch, um solche Matches zu gewinnen?

Ich denke, ich habe mich im Vergleich zum letzten Jahr wieder verbessert. Die letzten beide Male habe ich noch in zwei Sätzen gegen Scharapowa verloren. Diesmal habe ich wirklich gut gespielt, und sie hatte Probleme mit mir. Das war auch was Neues für sie. Sie hat natürlich mehr Erfahrung in solchen Matches, in denen man auf Augenhöhe ist. Sie weiß einfach, welchen Ball sie spielt. Ich spiele dann manchmal vielleicht zu defensiv bei wichtigen Punkten. Solche Feinheiten entscheiden letztlich. Das hat man dann gerade im dritten Spiel des dritten Satzes gesehen.

Da hatten Sie beim 1:1 fünf Breakchancen.

Ja, aber es war eigentlich nur eine. Bei vier Möglichkeiten hat sie vier Mal auf die Linie serviert oder einen super Ball gespielt. Bei ihrem zweiten Aufschlag habe ich eine Chance nicht genutzt. Das sind die Situationen, in denen ich noch lernen muss. Dafür sind solche Matches gut. Zu wissen, wann man mehr Risiko geht, wann nicht.

Was geht in so einer entscheidenden Phase in Ihnen vor?

Eigentlich nichts. Ich weiß ja, dass ich das Spiel jederzeit drehen kann. Etwa im ersten Satz, als ich 0:3 hinten lag und dann sechs Spiele in Folge gewonnen habe.

Unterscheidet Sie das von den anderen deutschen Spielerinnen? Bei Andrea Petkovic oder Julia Görges hat man manchmal das Gefühl, dass sie in den entscheidenden Situationen zu viel nachdenken.

Die Vergleiche müssen andere ziehen. Ich habe einfach in solchen Situationen keine Probleme, ich komme gut damit klar. Dafür arbeite ich so hart. Wenn ich in der Rod-Laver-Arena auf dem Platz stehe, will ich auch mein Bestes zeigen.

Barbara Rittner hat sie mal als Rampensau bezeichnet …

Diesen Begriff werde ich wohl nicht mehr los.

Stört er Sie?

Nein, ich find ihn nur lustig. Für mich ist das normal. Ich habe schon von Kleinauf immer gern auf den großen Plätzen gespielt, wo viele Leute waren. Das war immer mein Ding. Unter Druck wachse ich über mich hinaus.

Kann man diese mentale Stärke trainieren?

Ich weiß es nicht. Ich denke immer nur an den nächsten Punkt. Das ist bei mir schon automatisiert. Natürlich haben wir alle Mentaltrainer und trainieren, uns zu fokussieren, das ist normal. Vielleicht setze ich das besser um als andere.

Ist es nicht schwerer, fokussiert zu bleiben, wenn die Gegnerin beim Schlagen so laut stöhnt wie Scharapowa?

Ja, das ist definitiv zu laut. Ich höre von vielen Leuten, dass sie entweder den Fernseher ausmachen oder lautlos stellen. Das ist doch Wahnsinn! Ich stöhne ja auch, aber ich schreie nicht. Stöhnen ist normal, wir müssen dort auf dem Platz harte Arbeit leisten. Das Stöhnen hilft beim Ausatmen. Es muss aber irgendeine Grenze geben. Das Finale Scharapowa gegen Asarenka – da kann man nur noch Ohrenstöpsel reinmachen.

Glauben Sie, dass das Taktik ist?

Keine Ahnung. Das Problem ist, dass man den Klang des Balles nicht hören kann, wenn jemand so laut schreit. Und daran orientiert man sich sehr.

Was hört man denn da?

Wie schnell der Ball kommt zum Beispiel. Es ist anders, wenn man das nicht hören kann. Wir sprechen da unter den Spielern sehr häufig drüber. Dagegen muss man etwas machen.

Die Spielerinnenorganisation WTA diskutiert gerade auch über das Thema. Haben Sie eine Idee, wie man das Stöhnen regulieren könnte?

Man müsste Dezibelgrenzen einführen. Das wäre die einzige Möglichkeit.

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