Wasserball : Eins richtig statt zwei halb

28 Jahre alt ist er, hat rund 140 Länderspiele bestritten, an EM, WM und Olympia 2008 teilgenommen: Spandaus Kapitän Savic nimmt im Zenit des Könnens Abschied vom Wasserball.

Klaus Weise

Berlin - Nur noch zwei statt zuvor vier Vorrundengruppen, mehr hat die Deutsche Wasserball-Liga an Neuigkeiten zu Saisonbeginn nicht zu bieten. Alles wie gehabt, Jahr für Jahr. Das macht es den Teams so schwer, mehr als ein paar Insider für ihren Sport zu begeistern. Die Wasserfreunde Spandau 04 stellen darin keine Ausnahme dar. Dabei ist das ein Team, hinter dem sich die Fußballer von Bayern München in der sportlichen Erfolgsbilanz verstecken müssten. 73 Titel haben sie seit 1979 gewonnen, die internationalen darunter liegen schon mehr als 20 Jahre zurück. Gerade ist das Team wieder einmal ins Achtelfinale der Len-Trophy eingezogen, in dem es auf Vougliameni Athen trifft. National sind für das neue Spieljahr die Meisterschaft Nummer 30 und der 28. Pokalsieg fest eingeplant.

Der erste Auftritt der Wasserfreunde, denen vor der Saison Kapitän und Symbolfigur Marc Politze, der zu Neapel gewechselt war, abhanden gekommen ist, war schon meisterlich. 24:6 besiegten sie den SSV Esslingen in der Schöneberger Schwimmhalle. Also: alles wie gehabt, nichts Neues?

Nicht ganz. Ausgerechnet Politzes Nachfolger als Spielführer, Marko Savic, hat Aufregung ausgelöst, als er unmittelbar vor dem Bundesliga-Start den Rücktritt aus dem Nationalteam und reduzierten Aufwand für den Verein öffentlich gemacht hatte. Bundestrainer Hagen Stamm, die Spandauer Wasserball-Legende, traf die Mitteilung irgendwo zwischen Akzeptanz und Schock. „Das ist keine Allerweltsnachricht, dafür haben wir im deutschen Wasserball zu wenige von Savic’ Schlag. Marko ist auf dem Zenit seines Könnens, im Sommer hat er eine grandiose WM gespielt“, sagt Stamm.

Warum also tut er das, der gebürtige Serbe, der 2001 nach Berlin kam und seit 2005 Deutscher ist? „Weil ich eine Entscheidung zu treffen hatte. Eine Entscheidung, mache ich eins richtig, oder zwei Sachen halb“, antwortet Savic. Er wolle sich beruflich weiterentwickeln, sagt der Spielmacher, der im September ein Masters-Studium in International Economics abschloss, einen Job bei einer Bank aufnahm und sich dort nun um Unternehmensentwicklung kümmert. „Da will ich richtig gut sein. Das kann man, habe ich im Sport gelernt, nur dann, wenn man 100 Prozent gibt.“ 100 Prozent dort, das weiß Savic, schließen 100 Prozent im Leistungssport aus. „Ich werde weniger trainieren und meine Karriere auch im Verein nach der Saison beenden“, sagt er.

28 Jahre alt ist er, hat rund 140 Länderspiele bestritten, an EM, WM und Olympia 2008 teilgenommen. „Ich denke nicht, dass für mich etwas unerfüllt geblieben ist“, sagt er. „Man sollte dann aufhören, wenn man oben ist. Und dieses Gefühl habe ich.“ Einen Rücktritt vom Rücktritt wird es nicht geben, sagt Savic bestimmt. Auch, wenn Olympia 2012 nicht mehr weit ist. Er spricht von einer tollen Zeit im Nationalteam und bei Spandau, für die er dankbar sei. „Aber man muss wissen, wann ein Schnitt zu machen ist.“ Mit Blick auf die Jungen bei Spandau fügt er an: „Niemand ist unersetzbar.“

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