Bernd Schuster : Schweiger im Lärm

Sport und Glamour: Umgeben von einer kritischen spanischen Medienmeute bleibt sich Reals Trainer Bernd Schuster treu.

Stefan Hermanns[Hannover]
Bernd Schuster
Mürrischer Blick, hell ausgeleuchtet. Bernd Schuster, der neue Trainer von Real Madrid. -Foto: ddp

Die besten Plätze blieben frei. Bernd Schuster hatte sich gegen die bequemen Sessel an der Seitenlinie entschieden und stattdessen auf der harten Ersatzbank Platz genommen, gleich neben seinen Spielern. Der Trainer von Real Madrid muss sich nun mal nicht in den Vordergrund drängeln – die exponierte Stellung ergibt sich schon aus dem Amt. Bernd Schuster hat das natürlich gewusst, als er bei Real einen Dreijahresvertrag unterschrieben hat, aber die praktische Erfahrung ist dann doch noch etwas anderes. „Die Medien machen uns das Leben unglaublich schwer“, hat er jetzt geklagt.

Seit zehn Tagen bereitet Schuster den spanischen Rekordmeister auf die neue Saison vor, seitdem wird er von einem gigantischen Medientross verfolgt: nach Österreich ins Trainingslager, zum Freundschaftsspiel nach Hannover, dann weiter nach Moskau, wo Real heute den nächsten Test bestreitet. 60 Journalisten aus Spanien beobachten jedes Training und müssen täglich berichten. Aus einer vagen Aussage zu Michael Ballack wird dann ganz schnell ein konkretes Interesse Reals. „Ich habe mich sehr gewundert, dass man über Sachen redet, und dann kommt etwas ganz anderes raus“, sagt Schuster. „Wir suchen keinen weiteren deutschen Spieler. Einer reicht.“

Christoph Metzelder hat gerade seine ersten Tage bei Real hinter sich. In Hannover, beim Testspiel gegen 96, sitzt der Nationalspieler nur auf der Bank. Das muss in dieser Phase noch nichts heißen. Kann es aber. Sergio Ramos und Fabio Cannavaro bilden gegen 96 die Innenverteidigung, hinzu kommt mit dem 30-Millionen-Einkauf Pepe ein vierter Bewerber für zwei Plätze. Schuster sagt, Metzelder habe die gleichen Chancen wie alle anderen, er müsse sich seinen Stammplatz aber auch erobern. Das betrifft nicht nur Metzelder. Am Tag nach der 0:3-Niederlage gegen Hannover stehen fast 30 Spieler auf dem Trainingsplatz.

Die Einheit ist für zehn Uhr angesetzt, um zwanzig nach zehn fährt der Mannschaftsbus am Stadion vor, als um fünf vor elf alle Spieler auf dem Platz stehen, hält Schuster im Mittelkreis eine Ansprache, um fünf nach elf fangen die Spieler an zu laufen. Bernd Schuster sortiert die Trainingsleibchen, verteilt die Hütchen auf dem Platz, und nach dem Training tritt er die Löcher im Rasen zu. Die Übungen verfolgt er meist schweigend. „Er ist ein eher introvertierter Mensch“, sagt Christian Hochstätter, Hannovers Sportdirektor, der wie Schuster aus Augsburg stammt, im selben Verein groß geworden ist und mit ihm gemeinsam den Trainerschein gemacht hat.

Ein wenig hat es den Anschein, als wollte Schuster beweisen, dass man das vielleicht wichtigste Amt beim wohl glamourösesten Verein der Welt auch auf eine bodenständige Art ausüben kann. Im Trainingslager hat er die Spieler auf Doppelzimmer verteilt, und auch wenn der 47-Jährige derzeit mit aller Macht und vielen Millionen um Weltstars wie den Brasilianer Kaka buhlt, wird es mit ihm wohl keine zweite Ära der Galaktischen geben. „Er hat eine klare Vorstellung“, sagt Hochstätter. Eine Vorstellung, die auch in Hannover in Ansätzen zu erkennen ist.

In der Anfangsformation stehen zwei junge Spieler aus Reals zweiter Mannschaft, die Routiniers Miguel Salgado und Emerson sitzen dafür bis zur letzten Minute auf der Bank. „Die älteren Spieler werden nicht viel Freude haben“, sagt Hochstätter. „Bernd wird eine relativ junge Mannschaft auf dem Platz haben.“ Sogar in Madrid wird die Besinnung auf den Nachwuchs goutiert, und doch wird diese Linie nie Selbstzweck sein können, allenfalls Mittel zum Zweck. „Wir müssen alles gewinnen, sonst bin ich nächstes Jahr nicht mehr hier“, sagt Schuster.

Dazu gehören eigentlich auch Testspiele gegen deutsche Mittelklasse-Bundesligisten wie Hannover, selbst unter erschwerten Bedingungen. In Deutschland beginnt am Wochenende die neue Saison, Real aber hat gerade zehn Tage Vorbereitung hinter sich. Trotzdem moserte die spanische Zeitung „As“: „Dieses Real Madrid ist ohne Hirn und ohne Flügelspiel. Jetzt muss Kaka kommen.“ Hannover ist für Madrid das, was der SV Ramlingen/Ehlershausen vor drei Wochen für Hannover war. „Da haben wir uns ähnlich schwer getan“, sagt Hannovers Mittelfeldspieler Hanno Balitsch.

Vor allem körperlich war Real den Deutschen am Ende deutlich unterlegen, aber das werde sich geben, beschwichtigt Torhüter Iker Casillas. „Wir werden schon unseren Weg machen.“ Mal sehen, wie lange Bernd Schuster bestimmen darf, wo es lang geht.

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