Sport : Bescheidenes Bielefeld

Im Stillen wurde die Arminia erster Bayern-Verfolger

Rainer Klusmeyer[Bielefeld]

Fußballdeutschland spricht über Luca Toni und Miroslav Klose, das WM-erfahrene Stürmerduo des FC Bayern München. An die Fersen des italienischen Weltmeisters und des deutschen WM-Torschützenkönigs haben sich allerdings zwei Verfolger geheftet, die trotz ihres geringeren Ruhms hartnäckig ihre Dienste verrichten – Artur Wichniarek und Christian Eigler. Die Stürmer von Arminia Bielefeld, dem ersten Bayern-Verfolger, liegen mit sieben Toren gleichauf mit dem Erfolgsduo der Bayern. Dabei geben sie sich – wie ihr Verein, der Hansa Rostock deutlich 4:2 schlug – eher unscheinbar. Und werden dabei vom Verein auf alle erdenkliche Art und Weise unterstützt.

So standen auf dem Statistikbogen, der am Samstag nach dem Spiel verteilt wurde, fünf der sechs Namen von den aktuellen Bundesliga-Toptorjägern, die jeweils vier Treffer erzielt haben. Im Zusatz „und mehr“ geschickt verborgen wurde der Name Wichniarek – der Klub wollte offenbar nicht unbedingt darauf aufmerksam machen, dass sich bei Arminia eine ziemliche Ballung an offensiver Kompetenz gebildet hat.

Auch der zweifache Torschütze des Samstags, Christian Eigler, passt sich der allgemeinen Verschleierungstaktik fast perfekt an. Vorne so oft einzunetzen, läge vor allem „an den hinteren Leuten, die viele gute Pässe spielen“, sagt der 23-Jährige. Beim Studium der Tabelle habe er „zuerst auf den Abstand zu den letzten drei Klubs geachtet“. Und ein Tor mit Verzögerung, wie jenes zum 3:1, zu erzielen, sei weniger eine Sache von Coolness, sondern „das Quäntchen Glück, das dazu gehört“.

So sind sie eben in Bielefeld – bloß nicht durchdrehen. Immerhin fällt es Chefcoach Ernst Middendorp nicht so schwer, die derzeit offenkundigen Fähigkeiten von Eigler und Wichniarek herauszustreichen. „Die beiden bilden sicherlich eines des besten Sturmduos der Bundesliga – und das liegt nicht daran, dass es nur noch wenige Vereine gibt, die mit zwei Spitzen spielen“, sagt Middendorp. Die Qualität liege in der Verwertung der Chancen. „Kalt vor dem Tor“ seien beide Stürmer, ein junger Mann wie Eigler habe „sich eine große Sicherheit angeeignet“. Dass diesem Leistungssprung ein Reifeprozess vorangegangen ist, hält Middendorp nicht unbedingt für herausstellenswert. Bloß nicht angeben.

Wer Tore schießt, macht größere Vereine auf sich aufmerksam. Wieder so ein Gedankengang, bei dem der Verteidiger im Stürmer Christian Eigler erwacht. „Erst einmal muss ich mich auf lange Sicht beweisen“, meint der Doppeltorschütze des Wochenendes. „Dann passieren die anderen Dinge von selber.“

Eintracht Frankfurt – der zweite Verfolger: www.tagesspiegel.de/sport

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