Sport : Beschränkte Marktwirtschaft

DFB-Bundestag knüpft die Einführung einer eigenen Fußball-Wette an Bedingungen der Amateurklubs

Robert Ide[Mainz]

Karl-Heinz Rummenigge sah schon vor Beginn der Versammlung die Zeit für einige grundsätzliche Bemerkungen gekommen. „Ich bin ein Freund der freien Marktwirtschaft“, sagte der Vorstandschef von Bayern München. „Eine freie Marktwirtschaft heißt, dass es keine Monopole gibt.“ Danach trat Rummenigge in die Mainzer Rheingoldhalle, in der der Deutsche Fußball-Bund (DFB) zu einem Außerordentlichen Bundestag zusammenakam, um über ein Monopol zu verhandeln: das staatliche Wettmonopol. Die Versammlung, die sich offiziell mit der Aufarbeitung des Schiedsrichter-Skandals befasste, zog das Monopol mit breiter Mehrheit in Zweifel. Auf Antrag der Profivereine beschloss sie, die Einführung einer eigenen Fußballwette zu prüfen. Sie würde im Zweifel in Konkurrenz zum staatlichen Anbieter Oddset treten.

Die freie Marktwirtschaft, die Rummenigge und viele seiner Kollegen aus der Bundesliga fordern, wird jedoch beschränkt bleiben. Auf Druck der Amateurverbände wurde der Antrag noch am Donnerstagmorgen geändert. War ursprünglich die Einführung einer Fußballwette für 2006 konkret gefordert worden, wurden nun Bedingungen formuliert. So wird nach einer Grundsatzentscheidung des Bundesverfassungsgerichts im Sommer, bei der Beobachter eine Liberalisierung des Sportwettenmarktes erwarten, eine gemeinsame Wette des Fußballs mit Oddset angestrebt. Wie berichtet hatte es zwischen Oddset und dem DFB zuletzt Differenzen über die Aufdeckung von Wettmanipulationen gegeben. Der Geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger lud in seiner Rede Oddset ausdrücklich zum Gespräch ein: „Wir können uns gerne bei einem Glas Bier zusammensetzen.“

Ebenfalls beschlossen wurde, dass die Erlöse einer neuen Wette „für die Belange des Profifußballs und des Amateursports in den Fußballverbänden“ verwendet werden sollen. Zudem solle der Deutsche Sportbund eingebunden werden, der bislang von Oddset gefördert wird. Wilfried Straub von der Deutschen Fußball-Liga, der der Beschneidung seines ursprünglichen Antrages hinnehmen musste, räumte Irritationen ein. „Es war nicht unsere Absicht, Besitzstände anzugreifen“, sagte Straub. Bei der Abstimmung gab es aus den Reihen der Bundesliga, vor allem wegen der Zugeständnisse an Oddset, 15 Gegenstimmen – unter anderem von Rummenigge. Bei den Amateurverbänden herrschte dagegen Erleichterung. „Die Landesverbände haben gezeigt, dass mit ihnen zu rechnen ist“, sagte Rainer Koch, der als Chef des Bayerischen Verbandes den Widerstand angeführt hatte.

Koch, der zudem Vorsitzender des DFB-Sportgerichts ist, wirkte auch wegen der öffentlich zelebrierten Aufarbeitung des Wettskandals gelöst. Ebenfalls mit breiter Mehrheit stimmten die Delegierten einem Wettverbot von Spielern, Schiedsrichtern und Funktionären zu, zudem beschlossen sie klare Einspruchsregeln bei Spielmanipulationen. „Wichtig ist, dass wir ein Chaos beim Spielbetrieb verhindert haben“, sagte Zwanziger. Sein Kollege in der Doppelspitze, Gerhard Mayer-Vorfelder, sagte: „Mein Dank geht an Herrn Zwanziger, der an der Spitze der Untersuchungsmaschinerie stand.“ Und so wurde am Ende der Versammlung doch noch heimlich ein Monopol eingerichtet: des Deutungsmonopol von Theo Zwanziger innerhalb des DFB. Seite 2

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben