Sport : Besuch vom Torwart

Reumütig bleibt Hildebrand beim VfB Stuttgart

Oliver Trust

Stuttgart - Oben auf dem Podium saß einen Mann, der vom Blatt las. Der Mann, der bis vor kurzem feste Pläne hatte, 2006 das deutsche WM-Tor zu hüten, ließ den Blick unstet wandern. Er atmete schwer. Ein Heer von Fotografen baute sich vor ihm auf. Beim Besuch der englischen Königin dürfte es kaum anders zu gehen, als an dem Abend, an dem Torwart Timo Hildebrand, 25 Jahre alt, nach langem Gezänk einen Zweijahresvertrag bis 2007 ohne Klauseln beim VfB Stuttgart unterschrieb.

Neben ihm thronte Präsident Erwin Staudt und grinste zufrieden, weil er einen unbestritten guten Torhüter weiter an seinen Verein binden konnte. Hildebrand grinste nicht. Was nicht nur am dürftigen 1:1 gegen Kaiserslautern lag, das nach Toren von Kuranyi und Engelhardt einem Rückschlag gleichkommt. Hildebrand blinzelte als könne sein Wimpernschlag die vertreiben, die ihm Unwohlsein bereiten. Und er las vom Blatt.

„Erstens“, sagte er und später „Zweitens“ und „Drittens“. Nie habe er zu einem anderen Bundesligaklub wechseln wollen. Für einen, der sich in halb Deutschland anbieten ließ, ein kühnes Wort. Nie sei es ums Geld gegangen. „Ich stand vor der Frage, ob ich die Chance ergreifen soll, zu einem europäischen Spitzenklub zu wechseln.“ Er entschuldigte sich salbungsvoll beim VfB-Anhang. „Ich danke vor allem zwei Personen“, sagte er. „Meinem Berater Dusan Bukovac und meinem Trainer Matthias Sammer, die mir gesagt haben, Timo, höre auf dein Herz.“ Hildebrand las tapfer vor, was man für ihn ausgetüftelt hatte. Dann rauschte der Mann davon, der einen bis 2010 datierten Vertrag mit 1,8 Millionen Euro abgelehnt hat. Fragen beantwortete er nicht. Es hätte einige gegeben: Warum der VfB zuletzt nicht mehr mit seinem umstrittenen Berater verhandeln wollte. Warum er erst durch Ultimaten zur Raison gebracht werden musste.

Präsident Erwin Staudt hatte dem verstörten Hildebrand klar gemacht, neue Verhandlungen würde es nur ohne Bukovac geben. Als Staudt gefragt wurde, welche Spitzenklubs es aus dem Feld zu schlagen galt, schaute er belustigt seinen Finanzchef Ulrich Ruf an. „Also“, sagte er, „seinem Trainer kann Timo wirklich danken.“

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