Sport : Betrunken und beleidigend

Was man mit deutschen Fans im UI-Cup so erleben kann

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Die Sonne brennt auf die Bierbäuche, die Botschaft ist deutlich: „Südtirol bleibt deutsch“, rufen die Fans und: „Ausländer raus". Dann: „Wir sind wieder einmarschiert". Und schließlich: „Eine U-Bahn bauen wir, eine U-Bahn von Perugia bis nach Auschwitz.“

Die Alpen hinter der Tribüne, nebenan rauscht der Fluss ins Tal. Ein schönes kleines Fußballstadion hat die Stadt Bozen, italienisch: Bolzano. Der VfB Stuttgart kickte dort am Sonnabend gegen den AC Perugia. Das UI-Cup-Spiel fand aus Sicherheitsgründen in Südtirol statt, weil sich die Fans aus Perugia vor einigen Tagen danebenbenommen hatten. Ihr Klub bekam eine Heimspielsperre.

Die Stuttgarter Fans waren am Mittag in Bozen eingetroffen. „Sturzbetrunken, laut und aggressiv", sagt der Einsatzleiter der Bozener Polizei. Die Beamten waren gereizt. Auf dem Weg zum Stadion hatten die deutschen Fans Müllcontainer umgeschmissen und die Italiener beleidigt. Im Stadion dann ist die Hitze erdrückend. Als sich einige deutsche Fußballfans vor dem Stadion etwas zu trinken kaufen wollen, werden sie sofort von der Polizei festgehalten. „Präventionsmaßnahmen“, sagt der Einsatzleiter. „Ich habe keine Lust, dass die abhauen und in der Innenstadt Autos zertrümmern oder gar anzünden.“

Ùnter den rund 3000 Zuschauern im Bozener Stadion sind 700 Fans aus Deutschland. Natürlich seien nicht alle Nazis, sagte der Bozener Einsatzleiter, „aber die müssen jetzt alle die rechten Sprüche ihrer Kollegen ausbaden". Die Polizisten halten Gewehre im Anschlag. Gummigeschosse. Festgenommen wird niemand. Als die Fans sich am Abend zum Bahnhof aufmachen, singen noch einige: „Wir wollen Bozen zurück.“ Dann kommt endlich der Zug. Am späten Abend hatte Deutschland seine Fußballfans wieder.

Ach ja, Fußball gespielt wurde auch: Stuttgart verlor in Bozen zwar 1:2, hat sich aber dennoch für die nächste Runde im UI-Cup qualifiziert, weil der VfB das Hinspiel 3:1 gewonnen hatte. Überstehen die Stuttgarter nun die nächsten zwei Gegner, dann haben sie den Einzug in den UEFA-Cup geschafft. André Görke

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