Sport : Bewerbung aus Peru

Der 1. FC Union lässt sich bei der Trainersuche Zeit

Karsten Doneck

Berlin - Auf dem Schreibtisch von Dirk Zingler liegt ein dicker Aktenordner. Darin sind die Bewerbungen für den Trainerjob beim Fußball-Regionalligisten 1. FC Union abgelegt. Zingler, der Vereinspräsident, kann bislang unter 15 Übungsleitern frei wählen. Eher regional bekannte Größen wie Wolfgang Sandhowe und Henry Häusler sollen dabei sein. Es gibt Gerüchte, dass Edmund Stöhr, der frühere Hertha-Profi, und Herman Andreew, ehemals Babelsberg 03 ebenfalls Interesse bekundet haben.

Auf wirklich namhafte Trainer übt der Arbeitsplatz in der Wuhlheide offenbar weniger Reiz aus. Kein Wunder: Union ist Letzter, neun Punkte beträgt der Abstand zum rettenden 14. Tabellenplatz. Und die Finanzlage des Klubs bleibt höchst kompliziert. Unlängst musste der ursprüngliche Etatansatz von 2,088 Millionen Euro für die Saison 2004/05 nach oben korrigiert werden. 2,5 Millionen umfasst der Haushalt nun, über 400 000 Euro mehr also. Woher das Geld kommen soll? Keiner weiß es.

Sieben Tage sind vergangen, seitdem Werner Voigt nach der 0:2-Pokalpleite bei den viertklassigen Tennis Borussen die Verantwortung als Trainer abgegeben hatte. Zwei Wochen zuvor hatte Voigt auf die Frage, ob er denn bei anhaltender Erfolglosigkeit den Kram von sich aus hinschmeißen würde, noch klipp und klar geantwortet: „Der Typ bin ich nicht.“ Das nährt den Verdacht, Unions Präsidium habe bei Voigts Entscheidung ein wenig nachgeholfen.

Der 1. FC Union lässt sich bei der Suche nach dem Nachfolger nicht zur Eile drängen. „Es gibt noch grundsätzliche Dinge zu klären, ehe wir in Kontakt zu den Leuten treten. Zum Beispiel, ob wir einen älteren, erfahrenen Trainer verpflichten sollen oder doch besser einen jungen Mann mit neuen Ideen“, sagt Lars Töffling, Unions Medienbeauftragter. Allerdings könnte sich vom kommenden Montag an das Tempo bei der Kandidatensuche schlagartig erhöhen. Dann nämlich tagt das Präsidium mit dem Aufsichtsrat, der unbedingt in die Entscheidungsfindung eingebunden werden soll. Der Zeitplan sieht vor, dass der neue Trainer noch vor Weihnachten unter Vertrag genommen werden soll, „aber nicht etwa, um ein Weihnachtsgeschenk zu haben“, so Lars Töffling.

Unter den vorliegenden 15 Bewerbungen soll der Anteil ausländischer Trainer übrigens recht hoch sein. Dabei ist auch ein früherer Kotrainer von Perus Nationalmannschaft, „wohl ein Jugoslawe oder so“, wie ein Union-Kenner sagt. Kaum anzunehmen, dass der Mann in die engere Wahl kommt.

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