Biathlet Andreas Birnbacher : Ein Schuss mehr Risiko

Bei Großereignissen patzte Biathlet Andreas Birnbacher zuverlässig. "Ich habe bei Olympia die Staffel verschossen, da bin ich tief gefallen", sagt er im Rückblick und und trainiert jetzt umso härter.

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Viel Wirbel. Andreas Birnbacher will bei der WM unbedingt eine Medaille holen.
Viel Wirbel. Andreas Birnbacher will bei der WM unbedingt eine Medaille holen.Foto: AFP

Am Mittwoch hatte Andreas Birnbacher noch an den Folgen der vergangenen Woche zu tragen. Grippekrank musste der erfolgreichste deutsche Biathlet dieses Winters da den kompletten Weltcup in Oberhof sausen lassen – was nun auch vor seinem Heimspiel in Ruhpolding Konsequenzen hatte. „Er muss noch mal richtig trainieren und beim Physiotherapeuten vorbeischauen“, erklärte Fritz Fischer, warum Birnbacher am Nachmittag nicht wie geplant in der Chiemgau-Arena aufkreuzte.

Immerhin, so viel konnte der Männer-Bundestrainer vermelden: Im Staffelrennen am Donnerstag wird der Mann aus Prien am Chiemsee starten. An Position zwei, gemeinsam mit Startläufer Simon Schempp, Arnd Peiffer und Erik Lesser – und zum ersten Mal in dieser Saison. Bei der ersten Gelegenheit im Dezember in Hochfilzen wurde Birnbacher geschont, in Oberhof war er unpässlich. Nun aber sagt Fischers Trainerkollege Mark Kirchner vorsichtig: „Mal sehen, wie sich das bei ihm entwickelt. Aber es ist natürlich schön, dass er uns wieder zur Verfügung steht.“ Denn nach Rang sechs in Hochfilzen lief das deutsche Quartett in Oberhof zwar auch ohne ihren aktuell Besten zu Bronze, nach den Einzelrennen in Sprint und Verfolgung gab es aber überwiegend lange Gesichter im deutschen Lager. Der 31-jährige Birnbacher, trotz seiner Pause beim Thüringer Weltcup mit zwei Saisonsiegen auf Rang sechs im Gesamtweltcup, ist im Team daher begehrter denn je.

Dabei war es mit dem Karriereende von Michael Greis vor einem Monat zunächst etwas einsam um Birnbacher geworden. „Es war schon komisch, dass er plötzlich weg war, da fehlte ein bisschen was. Schließlich war ich jahrelang sein Zimmerkollege“, erzählt der Oberbayer, der aber auch unangenehme Erinnerungen an gemeinsame Auftritte mit dem Dreifach-Olympiasieger von 2006 hat. Ganz oben auf seiner persönlichen schwarzen Liste steht dabei das Staffelrennen bei den Winterspielen vor drei Jahren in den Wäldern oberhalb von Vancouver: Birnbacher teilte sich seine Kräfte damals so ungeschickt ein, dass er sich im Rückblick selbst für seine missratene Taktik geißelt: „Ich habe bei Olympia die Staffel verschossen, da bin ich tief gefallen.“ Doch nach dieser Enttäuschung ging es steil nach oben. Weil er aus seinen Fehlern gelernt habe, sagt der Mann, der im deutschen Team lange als Sensibelchen verschrien war, über sich. Der Lohn: Ein Jahr nach Vancouver gewann er, mit 29 Jahren, in Oslo sein erstes Weltcuprennen. „Da ist der Knoten bei ihm aufgegangen“, sagt Uwe Müßiggang, der Cheftrainer der deutschen Biathleten.

Im darauf folgenden Winter ließ Birnbacher drei weitere Weltcupsiege folgen, war am Ende Dritter in der Gesamtwertung. Nur beim Saisonhöhepunkt in Ruhpolding, bei der WM vor der eigenen Haustür, schrammte er mehrfach knapp an einer Einzelmedaille vorbei. „Da war ich vielleicht nicht mehr bei 100 Prozent meiner Leistungsfähigkeit, aber ich habe mir nichts vorzuwerfen“, sagt er heute.

Im gut aufgestellten deutschen Männerteam ist Spätzünder Birnbacher neben Arnd Peiffer, der momentan verzweifelt nach seiner Form sucht, der aussichtsreichste Medaillenkandidat für die Weltmeisterschaft im Februar. Und für die nächste Olympia-Ausgabe in 13 Monaten. Ein großes Ziel, für das der leidenschaftliche Hobbyangler im Herbst seiner Biathlon-Karriere vieles untergeordnet und umgestellt hat. Bei den Olympischen Spielen von Sotschi 2014 soll bei Andreas Birnbacher auch abseits schöner Erfolge im Weltcup bei einem Großereignis einmal alles passen.

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