Bielefeld-Trainer vor dem Rauswurf : Middendorp rechnet mit Arminia ab

Im Bewusstsein der sicheren Entlassung hat Arminen-Trainer Ernst Middendorp Teile der Mannschaft und Geschäfsführer Saftig scharf angegriffen. Der 49-Jährige will nicht der alleinige "Depp" sein.

Matthias Bossaller
Ernst Middendorp
Vor dem Aus: Ernst Middendorp ist bei Arminia Bielelfeld nicht mehr zu halten. -Foto: ddp

BerlinErnst Middendorp hat bei Fußball-Bundesligist Arminia Bielfeld ausgedient. Der Rauswurf des 49-Jährigen bei den Ostwestfalen scheint beschlossen und soll heute verkündet werden. Spätestens nach dem desolaten 1:6 bei Borussia Dortmund am Freitagabend ist der Trainer nicht mehr zu halten.

"Es ist doch völlig klar, dass auch der Trainer mit einbezogen wird", sagte Finanzgeschäftsführer und Vorstandsmitglied Roland Kentsch. Für Sportgeschäftsführer Reinhard Saftig ist der Coach der Hauptschuldige an der sportlichen Misere beim abstiegsbedrohten Klub: "Wenn eine Mannschaft so schlecht spielt, stellt sich die Trainerfrage."

Middendorp will nicht der "Bastard" sein

Die Fans, die Middendorp vor zwei Jahren noch zum besten Trainer der Vereinsgeschichte gewählt hatten, forderten in Dortmund nicht zum ersten Mal dessen Rauswurf. Middendorp selbst hingegen will sich mit den üblichen Mechanismen der Branche nicht anfreunden, wonach immer der Coach bei Misserfolg den Kopf hinhalten muss. "Es kann doch nicht sein, dass ich allein immer der Depp bin oder der Bastard sein soll. Das ist doch abartig", klagte Middendorp.

Im "Westfalenblatt" ließ der Frustrierte jegliche Zurückhaltung fallen und attackierte Teile der Spieler und Geschäftsführer Saftig. Wahrscheinlich im Bewusstsein, schon über seine Entlassung unterrichtet worden zu sein, wie der "Kicker" vermutet. "Wer hat denn das Arminenherz? Herr Saftig? Frank Geideck (Co-Trainer, Anm. d. Red.) hat es, ich habe es, Kauf (Kapitän Rüdiger Kauf, Anm. d. Red.), Böhme (Spieler Jörg Böhme, Anm. d. Red.) auch - und die anderen verpissen sich", meinte Middendorp.

Vor dem Abstieg bewahrt

"Wer hat denn die Situation im März hier bewältigt?", wetterte der 49-Jährige weiter. Middendorp war am 14. März nach seiner Tätigkeit in Südafrika nach Bielefeld zurückgekehrt und hatte den Klub mit vier Siegen in Serie (30. bis 33. Spieltag) vor dem Abstieg gerettet. Das ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass die Arminia dertzeit nur noch einen Punkt von einem Abstiegsrang entfernt ist.

Das 1:6 von Dortmund war bereits das zweite Debakel nach dem 1:8 in Bremen am achten Spieltag der laufenden Saison. Middendorp musste angesichts der bereits 38 Gegentore – Vereinsrekord zu diesem Zeitpunkt – eingestehen: "Das hat nichts mit Bundesliga zu tun. Wir haben Abläufe drin, die sind katastrophal."

Dazu hat der 49-Jährige mit seinen häufigen taktischen und personellen Veränderungen beigetragen. Vom Konzeptfußball, den seine Vorgänger Uwe Rapolder und Thomas von Heesen auf der Alm spielen ließen, ist nichts mehr übrig geblieben. Früher zeichnete die Arminia ein starker Defensivverbund, ein klares taktisches Konzept sowie eine hohe mannschaftliche Geschlossenheit aus. Unter Middendorp herrscht Ratlosigkeit und Chaos.

Warten auf offizielle Entlassung

"Ich habe meine Meinung dazu", sagt Kapitän Rüdiger Kauf, "aber es steht mir nicht zu, diese zu äußern." Das haben die Vereinsoberen bereits getan, jetzt fehlt nur noch die offizielle Verlautbarung der Trennung zwischen dem oft egozentrisch auftretenden Middendorp und Arminia Bielefeld.

Middendorp war auf der Alm zuvor schon von 1988 bis 1990 und 1994 bis 1998 tätig, Ende Mai hatte er seinen Vertrag bis 2009 verlängert. Ein Nachfolger steht noch nicht fest. Kandidaten wären der in Cottbus beurlaubte Petrik Sander oder auch Ex-Profi Ewald Lienen, der allerdings noch bei Panionios Athen unter Vertrag steht. Ebenfalls gehandelt werden Peter Neururer, Jürgen Röber und Falko Götz, die allesamt auf ein neues Engagement in der Bundesliga hoffen.

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