Sport : Bierhoff macht sich für Häßler stark

Oliver Bierhoff hat den angeschlagenen Teamchef Erich Ribbeck vir Wochen vor dem Beginn der Fußball-Europameisterschaft noch mehr unter Druck gesetzt. In einem Interview mit "Bild am Sonntag" machte sich der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft für eine Rückkehr von Thomas Häßler, Stefan Effenberg und Mario Basler stark. "Der Teamchef sollte über Häßler noch einmal nachdenken. Er hat so viel Erfahrung und würde sich wirklich freuen. Wir brauchen Spieler, die ordentlich flanken, wie zum Beispiel Häßler. Einen Effenberg könnten wir sehr gut gebrauchen, auch Mario Basler wäre wichtig", sagte Bierhoff. Hindernisse sieht er dabei nicht: "Ich glaube, grundsätzlich hat der Teamchef keinerlei Ressentiments und ist in keinster Weise nachtragend. Wichtig ist eine tolle EM. Dieses gemeinsame Ziel sollten wir vor Augen haben. Es wäre schön, wenn Effenberg seine Kinder nochmals vier Wochen allein lassen und an der EM teilnehmen würde."

Auf die Frage, ob Ribbeck wirklich über seinen Schatten springen würde, antwortete der Stürmer vom AC Mailand: "Ich glaube, es gab zumindest mit Effenberg keine Auseinandersetzung. Außerdem ist der Teamchef so stark wie seine Mannschaft, das weiß Erich Ribbeck auch." Effenberg hatte jedoch erst vor wenigen Tagen zum wiederholten Male betont, er stehe der Nationalmannschaft nicht mehr zur Verfügung.

Dagegen erklärte zuletzt Basler ("Es wäre eine Ehre wieder für Deutschland zu spielen. Ich würde alles geben") ebenso seine Bereitschaft zu einem Comeback wie Häßler. Der 97-malige Nationalspieler schickte nach einem starken Auftritt beim 2:1-Sieg über Hertha BSC schöne Grüße an den Teamchef: "Ich habe es allen gezeigt, die gesagt haben, ich hätte meinen Zenit schon überschritten. Das ist eine Genugtuung. Ich werde das jetzt genüsslich und in aller Ruhe auskosten. Ich habe meinen Urlaub noch nicht gebucht. Ich werde mit dem Auto durch die Gegend fahren, damit ich immer erreichbar bin." Häßler hatte unter den Augen von Ribbeck den Berliner EM-Kandidaten Dariusz Wosz im Duell der Spielmacher klar ausgestochen.

Ribbeck wollte sich zur überzeugenden Leistung von Häßler und zu den erneuten Personaldiskussionen jedoch nicht äußern: "Ich sage nichts zu einzelnen Spielern. Ich werde am 22. Mai 22 Spieler für die EM nominieren. Und ich kann ganz gut beurteilen, welche 22 das sein müssen, um bei der EM zu bestehen." Basler hatte er zuletzt jedoch kaum Chancen eingeräumt.

Auch der EM-Einsatz von Christian Wörns rückt in weite Ferne. Der 28 Jahre alte Abwehrspieler von Borussia Dortmund zog sich gegen Schalke (1:1) eine Bänderverletzung im Knie zu, es besteht sogar der Verdacht auf einen Kreuzbandriss.

Genervt wirkte Ribbeck auf die Frage nach seiner Zukunft. Während DFB-Vizepräsident Franz Beckenbauer erklärt hatte, dass der 62-Jährige nach der EM seinen Posten zur Verfügung stellen werde, wollte der Teamchef von derartigen Spekulationen erneut nichts wissen: "Was ich denke, ist nicht wichtig. Ich werde ohnehin als Letzter gefragt. Also lasse ich die anderen reden. Eine Entscheidung fällt erst nach der EM."

Wie auch immer. Bierhoff findet die momentane Diskussion um die eventuelle Nachfolge von Ribbeck "völlig sinnlos und überflüssig". Man werde darüber definitiv erst nach der EM reden, erklärte der designierte DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder im "DeutschlandRadio" und fügte an: "DFB-Präsident Egidius Braun wird dies in aller Sorgfalt mit den Beteiligten tun."

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben