Sport : Bierhoff spielt Bundestrainer

Manager beruft zur WM 16 Spieler – für Coca-Cola

Markus Pfeil/Ingo Reich

Frankfurt am Main - Als Robert Huth mit seinen Kollegen vom Spielfeld in Florenz trottete, wusste er, dass er gerade sein schlechtestes Länderspiel im DFB-Trikot abgeliefert hatte. Daran änderte auch sein Tor zum 1:4-Endstand gegen Italien nichts. Zu selten war der Reservist vom FC Chelsea nah genug an seinen Gegenspielern.

Es scheint sowieso keineswegs beschlossene Sache, dass Huth zum deutschen WM-Kader gehören wird, jedenfalls wenn man Coca-Cola glauben darf. Das Handelsblatt hat von dem WM-Sponsor erfahren, dass Huth nicht zu jenem Kreis der 16 Spieler gehört, die Bundestrainer Jürgen Klinsmann für die WM fest auf seinem Zettel hat. Weil Coca-Cola ab Ende März eine Sammel-Edition auf Dosen mit den Konterfeis der Nationalspieler anbietet, hat Teammanager Oliver Bierhoff – ebenfalls bei Coca-Cola als Werbebotschafter unter Vertrag – schon jetzt dem US-Getränkekonzern einen Kader von 16 Spielern benannt, deren Nominierung sicher ist. Das sagte ein Konzernsprecher dem Blatt. Und weiter: Nur noch bei ernsthaften Verletzungen einzelner Spieler werde sich noch etwas an der Zusammenstellung ändern. „Unsere Marketing-Direktion hat diese 16 Namen bestätigt“, sagte auch DFB-Sprecher Harald Stenger. Er schränkte aber ein, dass „die sportliche Erfahrung lehrt, das diese Namen nicht endgültig sein müssen“. Bis Mitte Mai muss Klinsmann 23 Spieler für den Kader benennen.

Auf den Dosen werden die Konterfeis folgender Spieler abgedruckt: Michael Ballack (Bayern München), Christoph Metzelder (Borussia Dortmund), Arne Friedrich (Hertha BSC), Torsten Frings (Werder Bremen), Oliver Kahn (Bayern München), Per Mertesacker (Hannover 96), Miroslav Klose (Werder Bremen), Patrick Owomoyela (Werder Bremen), Bastian Schweinsteiger (Bayern München), Bernd Schneider (Bayer Leverkusen), Tim Borowski (Werder Bremen), Lukas Podolski (1. FC Köln), Philipp Lahm (Bayern München), Jens Lehmann (Arsenal London), Sebastian Deisler (Bayern München) und Kevin Kuranyi (Schalke 04). Der hat sich vorgestern aber eine Knieverletzung zugezogen und fällt mindestens vier Wochen aus.

Neben Robert Huth fehlen auf der Liste Namen wie Gerald Asamoah, Marcell Jansen, Lukas Sinkiewicz, Thomas Hitzlsperger, Timo Hildebrand, Thomas Brdaric, Mike Hanke und Oliver Neuville. Auch erfahrene Profis wie Dietmar Hamann, Sebastian Kehl und – was sicherlich keine große Überraschung ist – der gerade aussortierte Christian Wörns sind nicht im Dosenaufgebot und damit erst mal nicht im festen WM- Kader der Mannschaftsleitung. Mancher Fan mag sich da fragen: War die Abfuhr für den Dortmunder Verteidigers schon vor seiner Kritik an Klinsmann in der vergangenen Woche beschlossene Sache?

Nimmt man die Cola-Nominierung ernst, wirkt es komisch, dass sich Klinsmann in den vergangenen Tagen beim Weltverband Fifa über die frühe Nominierungsfrist für den WM-Kader beklagt hat. Nimmt man die Cola-Nominierung nicht so ernst, kann man sich immerhin einen kräftigen Schluck aus der Spekulationspulle genehmigen. Und das tun viele Fans ja gerne vor der WM im eigenen Land. (HB)

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