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Wie Flavio Briatore den Formel-1-Piloten Kimi Räikkönen zu Renault locken will

Karin Sturm

Berlin – Den Weltmeistertitel für dieses Jahr hat Flavio Briatore offensichtlich schon fest eingeplant. Der Teamchef des Rennstalls Renault lässt vor dem Großen Preis von Montreal am Sonntag (19 Uhr, live bei RTL und Premiere) keinen Zweifel daran aufkommen, dass er glaubt, sein Fahrer Fernando Alonso werde sich auch 2006 wieder in der Formel 1 durchsetzen. Bei so viel Siegesgewissheit ist es nicht ungewöhnlich, dass der Italiener sich längst mit der Zukunft befasst – mit seiner und mit der seines Teams. Wobei beides miteinander zusammenhängt, denn Briatore hat seinen Vertrag als Teamchef bei Renault immer noch nicht verlängert. Briatore hat schon durchblicken lassen, dass sein Interesse am Weitermachen auch von der Konkurrenzfähigkeit seines Rennstalls abhängt.

Der größte Faktor in Briatores Zukunftsplanung hängt also von ihm selbst ab. Er muss es schaffen, seinen Starpiloten Fernando Alonso, der zu McLaren-Mercedes wechseln wird, einigermaßen adäquat zu ersetzen. Realistisch betrachtet kann dieser Ersatz bei der gegenwärtigen Marktlage eigentlich nur Kimi Räikkönen heißen. Und so tut der gewiefte Politiker Briatore alles, um dem Finnen, der den meisten Gerüchten zufolge für 2007 bereits bei Ferrari unterschrieben haben soll, doch noch zu seinem Rennstall zu locken.

Mit seinen taktischen Manövern der jüngsten Vergangenheit jedenfalls hat der Italiener auch an Räikkönen und sein Management, bestehend aus Vater und Sohn Robertson, deutliche Signale ausgesandt. So machte Briatore mit der Vertragsverlängerung von Giancarlo Fisichella klar: Eines der Probleme lässt sich lösen. Das heißt Heikki Kovalainen. Der junge, hochtalentierte Finne ist derzeit als Testpilot in Renault-Diensten – und außerdem ein persönlicher Schützling von Briatore. Kovalainen war eigentlich in der kommenden Saison für den Aufstieg zum Stammfahrer vorgesehen. Die Konstellation, Räikkönen neben einem jungen Landsmann zu sehen, dessen Manager auch noch der Teamchef ist, bereitete Steve und David Robertson offenbar einige Kopfschmerzen bei ihrer Überlegung, Kimi einen Absprung von McLaren-Mercedes zu Renault nahe zu legen. Vor allem, da Briatores Talent zu teaminterner Einflussnahme in der Formel-1-Szene gut bekannt ist.

Mit der Weiterverpflichtung von Fisichella hat Briatore dieses Problem erst einmal aus dem Weg geräumt – und dass er es ernst meint, bekräftigt er noch dadurch, dass er versucht, seinen Schützling Kovalainen für 2007 anderswo unterzubringen. Und als kleinen Anreiz legt er noch ein paar Renault-Kundenmotoren obendrauf. Mit Midland sprach und spricht er in diesem Zusammenhang genauso wie mit Red Bull.

Währenddessen schauen sich Kimi Räikkönen und sein Management die Leistungskurven von Renault und Ferrari an. Und warten sicher gespannt auf die Entscheidung von Ferrari-Pilot Michael Schumacher darüber, ob er seine Karriere fortsetzen wird. Momentan scheint die sicherere Zukunft erst einmal in Frankreich zu liegen, auch wenn Räikkönen schon einen Vorvertrag in Italien geschlossen haben soll. Doch dass Vorverträge nie ein unüberwindliches Hindernis darstellen, weiß in der Formel 1 schließlich jeder.

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